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Alles im Fluss – Flussbaden, Freizeitflächen und Renaturierung an der Ihme

Zukünftig in Leine und Ihme schwimmen gehen? 

Um diese Frage ging es am 23.05.2022 in der Jugendherberge Hannover bei der Diskussionsveranstaltung „Alles im Fluss – Flussbaden, Freizeitflächen und Renaturierung an der Ihme“ vom Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e. V. (bbs).

Vergleichsprojekte in München, Bremen, Basel sowie vielen weiteren deutschen und europäischen Städten zeigen, dass das Baden in Flüssen möglich ist. Könnte Flussbaden daher auch in Hannover ein Aushängeschild für mehr urbane Lebensqualität sein? Die letzten Projekte um Flussbadestellen in Hannover zeigten, dass es noch viel Uneinigkeit gibt. Denn obwohl Flussbaden eine lange Tradition in Hannover hat, haben sich die Badestellen bisher nicht dauerhaft halten können.

Aufgegriffen wurde die Diskussion um Flussbadestellen durch die im Jahr 2021 veröffentlichte Masterarbeit von Maxim Altenburger. In seiner Ausarbeitung präsentierte er neue Bademöglichkeiten in Hannover, die sich entlang des Maschsees Richtung Schützenplatz und bis zur Jugendherberge Hannover ziehen. Das bbs hat die Debatte aufgegriffen und die Stadtgesellschaft eingeladen, gemeinsam über die Zukunft und dauerhafte Lösungen zu sprechen.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Helene Grenzebach (Geschäftsstellenleiterin bbs) und Gerry Visse (Vorstand bbs). Zu Beginn der Veranstaltung rief Helene Grenzebach die Teilnehmer*innen dazu auf, aufzustehen, wenn sie bereits in der Leine und Ihme 1. geschwommen sind, 2. Boot oder Schiff gefahren sind, 3. Angeln waren und/oder 4. sich gerne in der Nähe dieser Gewässer aufhalten.

Angeregt durch diesen ersten Impuls wurden die Anwesenden dazu aufgefordert „Hoffnungen und Wünschen“ sowie „Herausforderungen und Befürchtungen“ zu konkretisieren, welche anschließend an zwei Pinnwänden nach Themen sortiert wurden. Zwischen Befürworter*innen und Gegner*innen des Flussbadens entstand ein reger Austausch.

Thema war vor allem die Rücksichtnahme auf die Wassersportvereine: Die Schnelligkeit der Ruderboote und schlechte Sichtbarkeit von Schwimmenden würden häufig unterschätzt, weshalb die Forderung nach abgegrenzten Bereichen fürs Schwimmen laut wurde. Es herrschte Unverständnis, warum das große Potential der Flüsse für Naherholung bisher noch nicht genutzt wird. Hundebesitzer*innen befürchten hingegen den Verlust von naturbelassenen Auslaufflächen, wenn Badestellen eingerichtet werden. Auch forderten viele Gäste die Berücksichtigung von Naturschutzbelangen: Man müsse die Wasserqualität testen und klären, inwiefern organisierter Badebetrieb mit Renaturierungsflächen vereinbar seien. Überdies müssten mehr Mülleimer, Straßenlaternen und Fahrradständer aufgestellt werden, damit ein achtsamer Umgang mit der Natur sowie ein höherer Grad an Sicherheit rund um die Ufer sichergestellt werden kann.

Das Sammeln von Anregungen zeigte, dass Akteur*innen zu offener Kommunikation bereit sind und über Lösungen sprechen möchten. Die Nutzungskonflikte rund um den Fluss machten aber auch deutlich, dass es Bedenken zu Veränderungen und Verlusten gibt, die bei zukünftigen Diskussionen nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

Nach der Ideensammlung fanden sich vier Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen: Sicherheit, Mut zur Veränderung, Neue Nutzungen und Naturschutzbelange sowie der Umgang mit bestehenden Nutzungen. Die Gruppen sollten neben ihrer Fragestellung auch die übergreifende Frage aufgreifen, wie den Anforderungen um Flussbaden gerecht werden kann und trotzdem einen Steigerung der Nutzungsqualität erreicht werden kann. Die Ergebnisse der jeweiligen Gruppen wurden im Plenum vorgestellt und debattiert.

Julia Sembritzki und Mike Burkhardt vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal erhielten dann das Wort für einen fachlichen Input. Sie erörterten die gesetzlichen Regularien, mit denen sich auseinander gesetzt werden müsste, wenn Flussbadestellen in Hannover realisiert werden. Sie machten deutlich, welche Abschnitte der Leine und Ihme zum Baden in Frage kommen würden, da das Schwimmen zum Beispiel 100 Meter vor und hinter Brücken oder an Schleusen aktuell nicht erlaubt ist (siehe Karte). Sie betonten, dass die Ihme eine Bundeswasserstraße ist und beschrieben, dass aus ihrer Perspektive Badeverbote geregelt seien, Badeerlaubnisse jedoch nicht.

Die Veranstaltung hat verdeutlicht, dass es eine starke Nachfrage zu urbanen Freizeitflächen am Wasser in Hannover gibt. Um dieser jedoch zu begegnen, müssen die rechtlichen, sicherheitsrelevanten, organisatorischen und naturschutzfachlichen Fragestellungen zum Thema Flussbaden mitbedacht werden. Dass es dabei zu Nutzungskonflikte kommen kann, ist klar, was aber nicht bedeuten muss, dass man nicht mit guter Kommunikation und Beteiligung Lösungen finden kann. Der Wunsch, die Diskussion über die Veranstaltung hinaus weiterzuführen, ist dringend.

Wenn Sie Interesse am Thema haben, schicken Sie uns gerne eine Mail, um in einen Verteiler zum Thema aufgenommen zu werden. Dieser wird allen zur Verfügung gestellt, die auch selbst ihre Kontakte für diesen Zweck freigegeben haben.

Die Rot markierten Flächen zeigen die Badeverbotszonen.

Von |2022-06-28T09:22:31+01:0023.06.2022|

Straße – Macht – Stadt. Die Innenstadt als Lebensraum

Raum zum Leben, für Aufenthalt und Begegnung sowie Klimaanpassung und mobil sein auch ohne Auto: Am 05.05.2022 diskutierten ca. 50 Gäste im Saal der Volkshochschule Hannover (VHS) gemeinsam mit dem Bürgerbüro Stadtentwicklung (bbs) über ihre Bedürfnisse nach einer Vielgestaltigkeit der Straßen in Hannovers Innenstadt. Es war die achte Veranstaltung des bbs in Kooperation mit der VHS Hannover in der Reihe „ZUKUNFTinnenSTADT“. Moderiert von den beiden Vorstandsmitgliedern Prof. Tanja Mölders und Swantje Michaelsen (MdB) wurde nachgefragt, wofür und für wen Straßen eigentlich da sind und wie es gelingen kann, dass *alle* Stadtbewohner*innen mehr Nutzungsmöglichkeiten auf unseren Straßen haben als Parken und Autofahren.

Denn wie ist die Situation heute, wie bewegen wir uns eigentlich in der Stadt fort? Diese Frage wurde mittels eines Rollenspiels aus unterschiedlichen Perspektiven beantwortet: Einem fiktiven 9jährigen Kind, der 14 Jährigen, der alleinerziehenden Frau und dem berufstätigen Mann wurden Fragen zu ihrem Mobilitätsverhalten und selbstständigen Bewegungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum gestellt. Die Gäste durften je nach der Antwort der ihnen zugewiesenen Rolle Schritte von der Startlinie weg machen. Dass sich nach nur wenigen Fragen ein sehr breites “Feld” ergab, weist anschaulich darauf hin, dass wirtschaftlicher Hintergrund, Geschlecht und Alter ganz konkrete Auswirkungen auf Mobilitätsverhalten und Bewegungsmöglichkeiten haben. Es gibt große Gruppen, die wortwörtlich zurückgelassen werden und deren Bedürfnisse im Ist-Zustand nicht berücksichtigt werden.

Daran anknüpfen sollte ein Vortrag von Steffen Brückner, der kurzfristig verhindert war. Die Perspektive der Kinder auf den Straßenraum, die Brückner durch die Kinder-Fahrraddemo “Kidical Mass” stärken will, wurde trotzdem thematisiert. Dabei wurde deutlich, dass die meisten Kinder von den Eltern und deren PKW abhängig sind. Die gebaute Umwelt spielt dabei eine zentrale Rolle, viel zentraler als das Alter: Komme ich mit dem Rad autofrei zur Schule? Wie viele große Straßen muss das Kind kreuzen? Wie weit ist die Schule entfernt?

„Der öffentliche Raum ist nicht fair verteilt“

Als weitere Expertin war Juliane Krause eingeladen. Sie setzt sich als Verkehrsplanerin für nachhaltige Mobilität aus Genderperspektiven und den Anforderungen der nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen auseinander. Sie berichtete, dass es durch eine gelungene Stadtplanung möglich ist, dass öffentlicher Raum nicht als Angstraum wahrgenommen wird, sondern als Ort zum Verweilen, zum Spielen oder zur Kommunikation. Ziel solcher Planung sei es, ein sicheres, eigenständiges Leben für jede*n zu gewährleisten, seien es Frauen, Menschen mit Einschränkungen, Kinder oder Senior*innen. Um dies zu erreichen, brauche es kurze Wege zur Nahversorgung, Sicherheit und Barrierefreiheit sowie genügend Abstellplätze für Fahrräder, Rollatoren, Kinderwagen, etc.. , so Juliane Krause. „Der öffentliche Raum ist Lebensraum, den wir uns wieder aneignen müssen“, so die Expertin. Je vielgestaltiger ein Ort geplant ist, desto mehr steigt auch die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Entschleunigung im Straßenverkehr ist für die Wiederaneignung der Straßen als Lebensraum ein Kernelement. Eine verkehrsberuhigte Innenstadt lädt dazu ein, bestehende Qualitäten besser zu nutzen. Im Vortrag zeigte Juliane Krause gute Beispiele anderer Städte in Deutschland, welche auch in Hannover umsetzbar wären.

Ideensammlung und Konkretisierung

Durch Julian Krauses Vortrag inspiriert, leiteten die Teilnehmer*innen Gestaltungspotentiale und Ideen für Hannovers Innenstadt ab. Da die Stadt wenig Geld für großräumige Projekte hat und außerdem Stadt-Umbau auch viel CO2 verursacht, müsse sich eine neue Planungs-Mentalität entwickeln. Statt Neubau sollte in der Stadtplanung eine DIY Mentalität entstehen: Kleinteilige Experimente planen und vorhandene Strukturen umdenken bzw. umplanen. Swantje Michaelsen meinte diesbezüglich: „Mit einer großen Ladung Poller und Straßenfarbe könnte Hannover ohne hohe Kosten schon große räumliche Potentiale freisetzen“.

Zum Ende des Abends wurde immer deutlicher: Park- und Verkehrsraum für Autos verhindert eine zukunftsgewandte Entwicklung. Wichtig sei es, Akzeptanz für eine sinnvolle Umnutzung der öffentlichen Räume in der Bevölkerung zu schaffen. Nicht nur Parkplätze wegnehmen, sondern sie zu „Orten für Jede*n“ umgestalten. Juliane Krause zeigte einige gute Beispiele in ihrem Vortrag, wie zum Beispiel Pflanzkästen die nicht nur für mehr Stadtgrün sorgen, sondern auch als Sitzgelegenheiten genutzt werden können. Im Publikum bestand große Einigkeit darüber, dass für eine erfolgreiche Verkehrswende mehr passieren muss. Genügend Ideen und Konzepte sind vorhanden, Kern der Stadtplanung und der Politik sollte nun sein, diese auch umzusetzen. Aktuell mangelt es noch an Mut: auszuprobieren, Fehler einzugestehen und Konzepte durchzusetzen.

Von |2022-06-21T08:29:22+01:0021.06.2022|

Möglichkeiten für lokales Engagement für Geflüchtete aus der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine und seine Auswirkungen beschäftigen auch das bbs. Bürgerschaftliches Engagement ist in solchen Zeiten besonders wichtig. Im Folgenden haben wir ein paar lokale Anlaufstellen aufgeführt um durch finanzielle Hilfen, Sachspenden und Bereitstellung von Unterkünften geflüchteten Ukrainer*innen und Organisationen zu helfen.

Spenden, Unterkünfte, aktiv werden

Ukrainischer Verein Niedersachsen
Der Verein bietet eine Anlaufstelle für Menschen die sich als Dolmetscher*innen, für Fahrdienste aber auch für langfristige Hilfen engagieren möchten. Zudem nimmt der Verein auch Sach- und Geldspenden an.

#Unterkunft Ukraine
Plattform für Privatpersonen und Geflüchtete, auf der Gesuche und Gebote für Unterkünfte geteilt werden können.

Hotline für Sachspenden der Caritas: 0800 58927994

Lokale Informationen

Stadt und Region Hannover bieten ständig aktualisierte Informationen rund um Hilfe für Geflüchtete an:

Über fluechtlinge@hannover-stadt.de können sich Hilfsorganisationen auf der Hannover-Stadt Internetseite eintragen lassen.

Die Koordinierungsstelle “Geflüchtete aus der Ukraine” hat eine Hotline für Bürger*innen, hier werden Fragen über die Situation Geflüchteter und Hilfsangebote beantwortet: 0511 16833333

Rechtliches

Im Wiki – AG Ukraine finden sich Informationen zu rechtlichen und praktischen Hilfen für Geflüchtete aus der Ukraine.

Für Kinder

Das Buch “Wie ist es wenn man kein Zuhause hat?” hilft, das Thema Flucht, Migration und Krieg mit Kindern zu thematisieren und sie zu sensibilisieren.

Von |2022-04-14T09:02:42+01:0014.04.2022|

CULTURE FOR FUTURE – Nachhaltige Kultur als Inspiration für die Zukunft unserer Stadt

Fridays, Parents, Scientists: Beim Thema „Future” kann und wird die hannoversche Kulturszene nicht hinten anstehen. Das zeigte am Donnerstagabend die Veranstaltung „Culture for Future – Nachhaltige Kultur als Inspiration für die Zukunft unserer Innenstadt“, bei der sich unter anderem Anja Ritschel, Hannovers neue Wirtschafts- und Umweltdezernentin, den Fragen der Kulturschaffenden stellte. 

Die Veranstaltung zusammen mit der VHS Hannover war die siebte in der Reihe „ZUKUNFTinnenSTADT“. Zu den Gästen gehörten neben Ritschel die Abteilungsleiterin Kunst und Kultur in der Landeshauptstadt Dresden, Juliane Moschell und rund 50 Vertreter*innen der hannoverschen Kulturszene. Gemeinsam gingen sie der Frage nach, wie Kultur, Handel, Politik und Stadtverwaltung konstruktiv zusammenwirken und Nachhaltigkeit zu ihrem Leitbild machen können. 

Die Veranstaltung zeigte anschaulich, was der hannoversche Kulturentwicklungsplan (KEP) an vielen Stellen deutlich hervorhebt, nämlich die Bedeutung von nachhaltigem Handeln auch und gerade im Kulturleben. So bescheinigt der KEP der Landeshauptstadt Hannover „die besten Voraussetzungen, um sich im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit und gegenüber der Herausforderung des Klimawandels noch stärker aufzustellen und diese Aspekte im gesamten Kulturbetrieb und in der Kulturproduktion zu berücksichtigen.“

Der Dresdener Weg

Ideen, wie das in der Praxis gelingen kann, kamen aus Dresden: Moschell präsentierte den Dresdener Weg für mehr Nachhaltigkeit in Kunst und Kultur und betonte die besondere Rolle der Kulturschaffenden für ein Umdenken in der Gesellschaft: „Kunst und Kultur verleihen unserem Handeln Sinn und Bedeutung“, so Moschell in ihrem Vortrag. Dresdener Kultureinrichtungen hätten sich in einem breiten Beteiligungsprozess mit der „Dresdener Charta für Nachhaltigkeit im Kultursektor“ verpflichtet, bis 2030 ihre Nachhaltigkeitsstrategien zu erfüllen. Gerade in Hinblick auf die Corona-Krise sei ein solcher Prozess eine Chance, „den Kultursektor zukunftsfähig aufzustellen“. In einer Pilotphase erarbeiteten in Dresden Mitarbeitende aus fünf unterschiedlichen Einrichtungen – jeweils ein Theater, Festival, Bibliothek, Orchester und ein Museum – konkrete Nachhaltigkeitsthemen, die im Betrieb mitgetragen werden. „Die Intendantin und der Fuhrparkchef diskutierten auf Augenhöhe“, beschreibt Moschell einen der Erfolgsgaranten für das Projekt. Darüber hinaus brauche es „ein deutliches Bekenntnis der jeweiligen Leitung und ausreichend finanzielle Mittel“, die in Dresden durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung aufgestockt wurden. Gelingen könne der Prozess aber nur, wenn nicht nur der Kulturbereich mitmache, sondern übergreifend gearbeitet würde: „die Stadtplanung, der Oberbürgermeister – viele müssen beteiligt sein. Das erfordert eine große Koordinationsaufgabe in der Verwaltung“, so Moschell. 

Ideen für Hannover

Auf die Frage, wie denn in Hannover die Kulturschaffenden zu mehr Nachhaltigkeit beitragen könnten, entgegnete Ritschel, dass Kultur wie alle anderen Bereiche viel einbringen kann, Kultur aber darüber hinaus helfen könne, qualitativ darüber nachzudenken: „wie sieht gutes Leben in unserer Stadt aus?“. Ritschel sprach sich für Kultur an Orten der Innenstadt aus, an denen man sie nicht erwarte und sie die Menschen im positiven Sinne irritiere. Auf der anderen Seite sei die Kulturszene genauso gefordert, wie alle anderen auch: „Klimaschutz ist die ganz große Herausforderung, die bewältigen weder Rathaus noch Wirtschaft alleine“. Ritschel betonte, dass durch die Kulturhauptstadtbewerbung Kultur deutlich in den Mittelpunkt gerückt und stärker wahrnehmbar sei. Auch im Hannoverschen Nachhaltigkeitsbericht hat Kultur neben Ökologie, Sozialem, Wirtschaft und Good Governance „einen großen und somit wichtigen Schwerpunkt“. Ritschel sagte auf der Veranstaltung der hannoverschen Kultur- und Kreativwirtschaft zu, das Netzwerk kreHtiv weiterzuführen und abzusichern und forderte, dass in Hinblick auf die Entwicklung der Innenstadt Wirtschaft und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen müssten: „Ich komme gerne mit Ihnen ins Gespräch, damit wir uns gegenseitig in den Prozessen bestärken, die eine Stadt braucht. Wir müssen den Begriff Nachhaltigkeit positiv neu besetzen, das möchte ich mit den Kulturschaffenden gemeinsam beginnen. Daran, was das für jeden einzelnen bedeutet, müssen wir uns reiben, aber nicht nur darüber reden, sondern konkret ins Handeln kommen“. 

Die Anregungen aus Dresden wurden in fünf Arbeitsgruppen aufgenommen und aus hannoverscher Perspektive vertieft. Ein Fokus lag dabei auf der Musik, die in der UNESCO-City of Music eine besondere Bedeutung hat. Kunst und Kultur, waren sich die Teilnehmenden einig, kommt eine maßgebliche Rolle zu: ihre Fähigkeit, Möglichkeitsräume zu inszenieren, kreativ mit Vorhandenem umzugehen und Szenarien zu entwickeln, sind für einen gesellschaftlichen Wandel unerlässlich. Die konkreten Ideen reichten von essbaren Pflanzen in der Stadt und „Parkplätzen zu Park-Plätzen“ über das Teilen von Materialien in der schon in Arbeit befindlichen „Bibliothek der Dinge“ bis hin zu Straßen, durch die man nur singend oder pfeifend laufen darf. Konkrete Forderungen wurden laut für ein Grundeinkommen für Kulturschaffende oder eine Honorarordnung für Kulturveranstalter*innen. Dass Bedarf besteht, wurde praktisch sichtbar, als eine Festivalveranstalterin aus der Arbeitsgruppe heraus in den Bereitschaftsdienst gerufen wurde: „Ich arbeite weiter im Krankenhaus, denn als Veranstalterin kann ich nur ehrenamtlich tätig sein“. Das Karstadt-Haus als prägnantester Leerstand in der City war mehrfach Thema, beispielsweise als potentieller Übungsraum für Musiker*innen. Auch ein struktureller Wandel der Innenstadt wurde gefordert, mehr Wohnraum, mehr Durchmischung, mehr Grün, damit die Innenstadt wieder Aufenthaltsqualität erlange als „Hannovers Wohnzimmer“. Ariane Jablonka vom Klavierhaus Döll formulierte, worüber viel Einigkeit herrschte: „Wir wollen gemeinsam Kultur machen unter einem besonderen Stern: dem Thema Nachhaltigkeit! Wir geben das Thema vor, aber wir sind offen für alle, die sich beteiligen wollen“. Sie forderte eine Struktur regelmäßiger, moderierter Treffen: „wir wünschen uns Unterstützung von der Landeshauptstadt, durch Frau Ritschel“. Anja Ritschel sagte zu, das Thema mitzunehmen und als Wirtschaftsdezernentin beim Brückenbauen zu helfen: „wir haben einen Runden Tisch nachhaltig Wirtschaften und sollten gucken, ob wir ein gemeinsames Ziel haben und wie wir es erreichen“. 

Anke Biedenkapp regte abschließend dazu an, einen Nachhaltigkeitsleitfaden für Veranstaltungen verpflichtend zu machen. Der Leitfaden kann mit dem Kulturentwicklungsplan, dem Nachhaltigkeitsbericht und dem Schwarmwissen der Kulturschaffenden in Einklang gebracht werden. Auch regte sie an, seitens der Landeshauptstadt eine*n Nachhaltigkeitsbeauftragte*n zum Thema Kulturveranstaltungen einzusetzen.

Den musikalischen Rahmen der Veranstaltung gestaltete John Winston Berta mit Gesang und Gitarre. Herzlichen Dank dafür!

Die Reihe „ZUKUNFTinnenSTADT“ des bbs wird fortgesetzt am Donnerstag, den 5.5.2022, dann unter dem Titel “Straßen – Macht – Stadt: Die Innenstadt als Lebensraum”.

Von |2022-04-14T14:02:37+01:0023.03.2022|

Jahresbericht 2021

Wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „ZUKUNFTinnenSTADT“ haben wir zahlreiche spannende Diskussionen geführt. Unter anderem ging es um die Themen Sport, Natur und Wohnen in der Innenstadt. Auch bei den Mitmachaktionen von „Die City kommt zu uns!“ waren wir gemeinsam mit Politik zum Anfassen e.V. in Hannovers Stadtteilen unterwegs und beteiligten Passant*innen am Gespräch über die Innenstadt.

Mit der Plakataktion „Hier passiert´s!“ informierten wir Bürger*innen über Projekte, die durch die Stadtbezirksräte realisiert wurden, und luden damit zur Kommunalwahl am 12.9.2021 ein.

Ausführlich über unsere Aktivitäten in 2021 berichten wir in unserem Jahresbericht, den wir zum Download bereitstellen.

Von |2022-02-21T14:48:25+01:0021.02.2022|

Wohnen in der Altstadt – ein Stadtteilspaziergang mit Torsten Schwarz

Der Stadtteilspaziergang durch die Altstadt von Hannover hat den Dialog zum Thema “Wohnen in der Innenstadt – Wunsch und Wirklichkeit”, den das bbs am 04.12 2022 begonnen hat, weitergeführt. Projektplaner und Altstadt-Kenner Torsten Schwarz führte ca. 60 Teilnehmer*innen durch schmale Gassen, sich plötzlich weit auftuende oder versteckte Hinterhöfe. Vorbei an Geschäften, Gastronomien, Leerstand, historischem Erbe und neuem und alten Wohnbau-Bestand. Auch weitere Expert*innen aus Hannover wie die Architektin und Stadtplanerin Karin Kellner, der Architekt und Mitglied des Immovielien Netzwerks Gerd Runge, Stadtbezirksmanagerin Claudia Göttler und Ulrike Roth vom Fachbereich Planen und Stadtentwicklung bereicherten mit ihrer umfassenden Kenntnis den Spaziergang. Schnell war klar: Die Altstadt hat Charakter und ein hohes Identifikations- und Entwicklungspotential aber auch Konfliktpotentiale. 

Erste Station des Spaziergangs war das Hohe Ufer. Karin Kellner sprach sich dafür aus, Flächen des City Rings an dieser Stelle für Wohnungsbau zu nutzen. Die damit einhergehende Verschmälerung der Fahrbahn erhöhe die Durchlässigkeit der Verbindung von der Altstadt und der Calenberger Neustadt. Weiterhin berichtet sie, dass der City2020+ Dialogprozess viele Ideen und Entwürfe generiert habe die nur noch angewendet werden müssten. 

Im Kreuzkirchenviertel waren vor allem der ruhende Verkehr und das angrenzende Rotlichtviertel Schwerpunktthemen. Viele Nutzungen sind dort nicht möglich aufgrund des starken Parksucherverkehrs, bei gleichsam schlechter Auslastung der Parkhäuser. Auch für die Wohnnutzung stellen diese Lärm emitierenden Problemfälle eine erhebliche Belastung dar. “Onay hat mit der autofreien Innenstadt die Wahl  gewonnen, das muss angegangen werden!” war eine der klaren Forderungen der Teilnehmer*innen. 

Der Wohnbestand um die Kreuzkirche zeigt vor allem die Potentiale von Wohnen in der Innenstadt auf. Das von der Hanova und anderen privaten Immobilienunternehmern entwickelte Quartier weist Mieten zwischen 7 und 13 € pro qm2 vor. Die Gebäude sind energetisch saniert, die Wohnungsschnitte modern, haben Balkone und Gärten. 

Im Bereich der Schmiedestraße drehte sich der Diskurs um die große Handelsimmobilie von Galeria Kaufhof und einige Leerstände. Sie bieten Potentiale für diverse Nutzungen, unter anderem auch Wohnen. Sie sind aber im Eigentum von Investor*innen, die meist andere Pläne für ihre Immobilie haben als Verwaltung oder Politik. Der Wunsch nach einer kooperativen Entwicklung im Sinne der Stadtgesellschaft und einem Herantreten an die Immobilienbesitzer*innen durch die Stadtverwaltung wurde laut. Gerd Runge betonte, dass Wohnentwicklung Gemeinwohl ist und die Stadtverwaltung Instrumente hat in die Wohnentwicklung bei privaten Flächen und Gebäuden einzugreifen.

Am Köbelinger Markt war der geplante Abriss des ehemaligen Bürgeramtes Mitte aus Sicht vieler Teilnehmer*innen nicht nachvollziehbar und keine nachhaltige Stadtentwicklung. Auch die geplante Wand hin zur Anlieferungszone der Markthalle könnte anders baulich gelöst werden und verhindert eine Öffnung der Markthalle zu dieser Seite. Gleichzeitig verspricht aber die Öffnung des geplanten Neubaus zur Seite des Köbelinger Marktes mehr Lebendigkeit für den Platz.

Allgemein war die Regelung des (ruhenden) Verkehrs ein wiederkehrendes Thema und wurde kontrovers diskutiert. Die Teilnehmer*in Ulrike Roth betonte, dass jedes Mal das Thema Auto beim Wohnen eine Rolle spielen würde und das dies endlich aufhören müssen, gerade im Bezug auf die Klimaziele. Weiterhin wurde thematisiert, dass es eine stärkere Differenzierung bei Freiräumen in der Innenstadt bräuchte um auch privatere Räume für die Bewohnenden zu schaffen. Wie das aussehen könnte zeigt das Wohnquartier Kreuzviertel mit seinem nur für die Bewohner*innen zugänglichen Hinterhof. Zudem zeigt dieses Projekt auf, wie Bestandsimmobilien durch eine Anpassung der Wohnungsschnitte und energetischen Sanierung attraktive Wohnimmobilien werden können.

 

Im Anschluss der Veranstaltung konnten wir noch ein Gespräch mit der Stadtteilmanagerin Claudia Göttler führen. Sie kritisierte, dass das Wohnen in der Innenstadt im öffentlichen Diskus häufig romantisiert wird, wobei Probleme nicht thematisiert werden. Prostitution, Drogenmissbrauch und Obdachlosigkeit sind wie in keinem anderen Stadtteil vorhanden und führen zu Konflikpotential. Weiterhin sorgt die zahlreich Vertretene Gastronomie ebenfalls für Geruchs- und Lärmbelästigung. Eine Möglichkeit, Konflikte zu entzerrren ist baulich: So können gläserene Schutzwände ihrer Meinung nach für den nötigen Abstand zwischen “Problem-Klientel” und Anwohnenden sorgen. Aber Abschottung ist nicht die einzige Möglichkeit um Innenstadt und Wohnen zu vereinen. Andere Lösungsmöglichkeiten sind bürgerschaftliches Engagement und lokale Netzwerke: Die Bürgerinitative “Wohnen.am.Marstall” wurde bereits mit dem Bürger*innenpreis für Engagement ausgezeichnet. Zudem bietet das Projekt “limmernlabor” aus dem Stadtteil Linden-Nord  bereits ein alternatives Vorbild, wie bürgerschaftlich mit Konflikten wie Lärm, Partytourismus und Vermüllung umgegangen werden kann.

 

 

Von |2022-03-23T12:06:09+01:0021.02.2022|

Quer durch die Innenstadt: Neue Audio.StadtRadTour

Die Innenstadt mit anderen Augen und Ohren erleben: Zur Feier unseres Programms ZUKUNFTinnenSTADT haben wir aus den Stationen unserer Audio.StadtRadTouren einen Spaziergang zusammengestellt, bei dem ihr mehr über kulturelle und historische Highlights aus Hannover erfahren könnt. Zwei weitere Touren werden folgen.

Optimal ist die Nutzung der App izi.travel, auf der alle unsere Touren praktisch zum Mitnehmen präsentiert werden. Für diesen Innenstadtspaziergang haben wir einige Perlen ausgewählt. Das Video unten zeigt, wie ihr sie findet. Viel Spaß beim Staunen und Erleben!

Von |2021-12-21T14:48:11+01:0021.12.2021|

Wohnen in der Innenstadt – Wunsch und Wirklichkeit

Wohnen in der Innenstadt war am 4.11. Thema der Reihe ZUKUNFTinnenSTADT. Das Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e. V. lud gemeinsam mit der Volkshochschule ein, sich den Möglichkeiten des Wohnens in der Innenstadt zu nähern. Im Saal der VHS hörten etwa fünfzig Interessierte Impulsvorträge zum Thema von Prof. Tim Rieniets (LUH) und Ricarda Pätzold vom Deutschen Institut für Urbanistik. Studierende präsentierten ihre eindrucksvollen und plastischen Entwürfe zur Umnutzung und Zukunft von Hannovers Innenstadt. In der anschließenden Diskussion kristallisierten sich folgende Erkenntnisse heraus:

  • Anforderungen des Wohnens geben Impulse zur Diversifizierung der Innenstadtnutzungen und schaffen Perspektiven für die Umnutzung von Handelsimmobilien.
  • Bestehende Instrumente der Stadtentwicklung können in Hannover intensiver genutzt werden. Die Stadt kann mehr wagen und von anderen Städten lernen.
  • In der Innenstadt gibt es Gebäude und Räume, die sich zum Wohnen eignen. Wenn man diese Räume kennt, kann man zum Beispiel mittels Experimenten erproben, wie sie genutzt werden sollen.
  • Lokalen Partner*innen und Initiativen wie „Immovielien“ stehen zur Kooperation bereit, deren Potential sollte systematisch genutzt werden. Es braucht verbindliche Einbeziehung und Zusammenarbeit.

Innenstadt: Viel mehr als nur Handel

Prof. Tim Rieniets hofft, dass die mediale Aufmerksamkeit, die eine notwendige Transformation unserer Innenstädte genießt, nicht nur vorübergehend ist, sondern tatsächlich Impulse für eine nachhaltige Entwicklung und Veränderungen schafft. „Die eigentliche Katastrophe ist, dass wir die Innenstädte eigentlich nicht mehr brauchen, auf jeden Fall nicht zum Shoppen wie in den letzten 50 bis 70 Jahren. Dafür gibt es längst Ersatz im Onlinehandel.“

Doch er beruhigt: „Es ist gar nicht so schlimm, wenn in Städten weniger Einzelhandel passiert.“ Neben dem Handel erfüllen diese nämlich weitere wichtige Funktionen. Handel war lange die wichtigste Funktion der Innenstadt und ist historisch gewachsen. Denn für den Handel war die Innenstadt die beste Verortung: sie ist zentral und für alle Menschen gut zu erreichen. Die spezielle Handelsarchitektur mit großen, beleuchteten Schaufenstern ist darauf angelegt, „Innen“ und „Außen“ zu verbinden, Welten zu präsentieren und zum Kaufen einzuladen. Dadurch entsteht ein Gefühl von Lebendigkeit.

Innenstädte sind darüber hinaus aber auch symbolische Zentren unserer Städte, repräsentative, oft historische Gebäude wie Rathaus, Theater, Bahnhof, oder Oper prägen sie. Außerdem ist die Innenstadt Sitz von Verwaltung und Politik, die das Gemeinwesen Stadt in die Gegenwart bringen. Die Innenstadt ist auch eine Identifikationsfläche und dient dazu, sich zu verorten. Selbst, wenn man die eigene Innenstadt gar nicht mag, sind es häufig zuerst die „Postkartenmotive“ der Innenstadt, mit denen man sich anderen Menschen vorstellt, wenn man nach Herkunft oder Heimat gefragt wird.

Rieniets weist noch auf eine weitere bedeutende Funktion der Innenstädte hin: Wir sehen in der Innenstadt die anderen Mitglieder der Gesellschaft, andere Bevölkerungsgruppen und werden konfrontiert mit der Welt außerhalb unserer eigenen Blase. Die Innenstädte sind unser zivilisatorischer Übungsraum für gegenseitige Akzeptanz.

Wenn also Wohnen Handel ersetzen soll und eine größere Bedeutung in unseren Innenstädten erhalten soll, sollten die anderen Funktionen der Innenstadt dabei berücksichtigt werden. Eine Wohnstraße darf nicht eine exklusive Straße für Besserverdienende werden. Es resultiert die Frage, wie günstiger Wohnraum in der Innenstadt bewerkstelligt werden kann, wenn hohe Renditeerwartungen von Investor*innen im Spiel sind. Die Stadt habe hier jedoch die Aufgabe, mittels planerischer Instrumente die Interessen der Einwohner*innen zu vertreten.

Umtriebige Urbanität mit Wohnen zusammenbringen

Ricarda Pätzold vom Deutschen Institut für Urbanistik hält in ihrem Vortrag fest, dass am Anfang der Überlegungen über Wohnen in der Innenstadt erst einmal Bilanz gezogen werden sollte, wo bereits wie in der Innenstadt gewohnt wird. Anschließend können Potentiale erhoben werden wie Neubebauung von freiwerdenden Arealen wie bspw. Feuerwehren, Krankenhäusern, Bahnflächen oder Parkhäusern. Eine Schließung von Baulücken und Aufstockung von Gebäuden kann Wohnraum schaffen ebenso wie durch Flächengewinnung mittels einer Neustrukturierung von Straßen und Verkehrsflächen. Die Voraussetzungen müssen aber gegeben oder geschaffen sein. Umtriebige Urbanität ist nicht ohne weiteres mit „Wohnen“ kombinierbar: Zwar ist zum Beispiel Gastronomie in der Innenstadt erwünscht, aber möchte man ein Restaurant im eigenen Wohnhaus? Eine Vermittlung zwischen Wohnen und dem umgebenden öffentlichem Raum fehlt bei Umbauten bisweilen.

Plastische, kreative Lösungen genau dieser Problematik präsentierten drei Studierenden-Gruppen der Fakultät Architektur und Landschaft der LUH. Anhand ihrer Entwürfe konnten die Teilnehmenden eine Vorstellung entwickeln, wie Wohnen speziell in Hannovers Innenstadt aussehen kann. Unser Dank gilt Antonin Brünner und Till Kammann (Parkhaus Osterstraße), Sarah Tischer und Aaron Schedler (Parkhaus Mehlstraße) und Viktoria Leno sowie Elizaveta Misyuryaeva (Galeria Kaufhof an der Marktkirche).

Der Entwurfsphase war eine Analyse vorangegangen die für Hannovers Innenstadt zu folgenden Ergebnissen kam:

  • Austauschbar
  • Stark versigelt
  • Wenig Aufenthaltsqualität
  • Wenig los außerhalb der Geschäftszeiten

Die Gruppen zeigten verschiedenen Ideen, wie etwa durch eine Entwicklung in drei Phasen Begrünung, Verkehrsflächenminimierung und Nutzung von Leerständen mehr Wohnen in der Innenstadt möglich würde. Räumliche Ressourcen wie bspw. Flachdächer und Innenhöfe oder Parkdecks können für Wohnzwecke aktiviert werden. Durch eine Terrassierung der Gebäude kann Wohnen in den oberen Etagen mit Räumen für Einzelhandel oder Büros in den unteren Etagen verbunden werden. Die demografische Entwicklung muss auch immer mitgedacht werden: Das betrifft insbesondere Barrierefreiheit, Gemeinschaftsräume und vielfältige Wohnungsschnitte.

Einen kleinen Eindruck der Entwürfe gibt es in der Galerie unten.

In der anschließenden Diskussion wurde der Ruf nach einer guten Mischung von Wohnen, Leben und Arbeiten laut, denn hier hätte Hannover ein großes Potential, wenn alle – Jung wie Alt – gemeinsam daran arbeiten würden. Doch stellen sich insbesondere die Eigentümer*innenverhältnisse als Handicap für eine Umnutzung heraus. Tim Rieniets sagte, der Schlüssel zum Erfolg liege darin, die Eigentümer*innen mit Nutzungsinteressierten an einen Tisch zu bringen. Deutlich wurde, dass es auf stadtplanerischer Ebene neue Instrumente braucht, die aber aus der Bundespolitik kommen müssen. Es bleibt eine politische Frage, welche Ziele verfolgt werden: Inwiefern soll sich die Innenstadt der Zukunft an Interessen von Investor*innen orientieren, und welche Rolle spielen dabei die Interessen der Bewohner*innen und Nutzer*innen?

Die nächste Veranstaltung der Reihe ZUKUNFTinnenSTADT widmet sich erneut dem Wohnen, der Fokus liegt auf der Altstadt: Am Donnerstag, den 3.2.2022 um 18 Uhr laden wir ein zum Stadtteilspaziergang mit Wohnprojektentwickler und Altstadtbewohner Torsten Schwarz sowie anderen Gästen. Treffpunkt ist die Volkshochschule, der Spaziergang wird etwa zweieinhalb Stunden dauern.

ZUKUNFTinnenSTADT

Das bbs stellt 2021 und 2022 die kooperative Entwicklung der Innenstadt in den Fokus seiner Arbeit. Kooperationspartner*innen sind die Volkshochschule Hannover (VHS) und Politik zum Anfassen e. V. Über das Jahr hinweg werden in digitalen und analogen Veranstaltungen, mobil in den Stadtteilen, per App auf PLACEm und in der VHS Hannover zahlreiche Facetten der Innenstadt Hannovers beleuchtet. Ziel ist es, mit Bürger*innen und Expert*innen eine Vision für die Innenstadt Hannovers zu kreieren und damit einen gehaltvollen Beitrag zur Stadtentwicklung zu leisten. Auf dem Weg dahin inspiriert die Reihe Bürger*innen sich mit der Innenstadt auseinanderzusetzen und pflanzt Ideen, wie sie attraktiver, lebendiger und vor allem gerechter werden kann. Mehr Infos hier.

 

Von |2022-01-24T19:01:02+01:0020.12.2021|

Recht auf Stadt – Mädchen und Frauen im öffentlichen Raum

„Ich fühle mich nicht wohl, wenn ich abends Bahn fahre, das Abteil leer ist und eine Männergruppe steigt zu.“

Das Statement einer Besucherin der bbs-Veranstaltung „Recht auf Stadt – Mädchen und Frauen im öffentlichen Raum” zeigt: Der Zugang zur Innenstadt Hannovers ist nicht für alle gleich. Es gibt für Männer unsichtbare Zonierungen und zeitliche Fenster, die die Bewegungsfreiheit von Mädchen und Frauen auf Hannovers Straßen und Plätzen einschränken. Gender Planning – was dem entgegenwirken kann – ist ein alter Hut, trotzdem findet es nicht statt. Die Forderungen nach der Veranstaltung sind klar: Gendersensible Planung muss Wettbewerbskriterium werden, bestehende Empfehlungen und Richtlinien müssen verbindlich sein, sonst finden sie keine Anwendung. Das hat nicht zum Zwecke, Männer zu benachteiligen, sondern um die Aufenthaltsqualität von Hannovers Innenstadt für alle zu steigern.

In der Diskussionsrunde, die das Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e. V. mit der Volkshochschule Hannover am 6. Oktober veranstaltete, nahmen ca. 50 Personen physisch und digital teil. Zusammen mit Prof. Tanja Mölders entwickelten Dipl.-Ing. Heide Studer; (Landschaftsökologin, Kultur- und Sozialanthropologin aus Wien), Dipl.-Geografin und Planerin Ingrid Heineking und Friederike Kämpfe (Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Hannover) Ideen dazu, wie Hannovers Innenstadt mehr von und für Mädchen und Frauen gestaltet werden kann.

„Ich muss gestehen, es war nicht das erste Thema, welches mir zur Entwicklung der Innenstadt eingefallen ist.“

Das Statement spiegelt die Bedeutung geschlechter*gerechter Planung wider. Umso wichtiger, dass die vierte Veranstaltung im Citydialog ZUKUNFTinnenSTADT genau darauf eingeht, betonte Jacqueline Knaubert-Lang, Leiterin der VHS, bei der Eröffnung. Prof. Tanja Mölders stellte zunächst das Gender Mainstreaming vor: Ein politisches Leitprinzip, das Planung durch Genderaspekte qualifiziert. Dadurch sollen Aneignungs- und Raumnutzungsmuster von allen Geschlechtern bei Planungen berücksichtigt werden. Ingrid Heineking stellte eine Mobilitätsanalyse der Region Hannover vor, dabei legte sie den Fokus auf Unterschiede im Mobilitätsmuster von Mann und Frau. Heide Studer stellte Projekte aus Wien zur erfolgreichen Beteiligung von Mädchen vor. Sie betonte in ihrem Vortrag weiterhin, dass es wichtig sei, alle von Diskriminierungen betroffenen Personen zu beteiligen und den Mut zu haben, konkrete Forderungen zu entwickeln.

Prof. Tanja Mölders leitet das Referat „Räumliche Planung und raumbezogene Politik“ bei der ARL Akademie für Raumentwicklung in der Leibnitz-Gemeinschaft und ist außerplanmäßige Professorin an der Leibniz-Universität. In dieser Funktion bietet sie Studierenden Seminare wie z.B. „Gender Planning – Städtische Räume geschlechter*gerecht planen“ an. Als Nachhaltigkeitswissenschaftlerin stellen Fragen nach Geschlechterverhältnissen für sie einen analytischen Zugang dar, der einen kritischen Blick auf Denk- und Handlungsmuster ermöglicht. In Bezug auf Hannover stellt sie die Frage: „Haben alle Menschen das gleiche Recht auf Innenstadt? Wer eignet sich städtische Räume an und werden öffentliche Räume implizit oder explizit zugewiesen?“ Ihre These ist, dass das Geschlecht als sozialer Platzanweiser wirkt und Frauen und Männer, aber auch Mädchen und Jungen Räume unterschiedlich nutzen. Das Gender Mainstreaming stellt sie als politisches und planerisches Leitprinzip vor. Bei allen Maßnahmen und Projekten sollen in verschiedenen Phasen der Planung und Umsetzung die Raumnutzungsansprüche, Ressourcen und Kompetenzen gesellschaftlicher Gruppen berücksichtigt werden. Gender Planning soll so die in der Stadtplanung unterrepräsentierten Gruppen stärken. Interessant sind hierbei Gegensätze zwischen Erwerbsarbeit und Versorgungsarbeit. Traditionell wird die Produktionsarbeit vom Mann ausgeführt und die Versorgungsarbeit von der Frau. Versorgungsarbeit bringt meist viele kurze Wegestrecken mit sich. Mölders stellt hierzu die Frage, ob dies mit dem ÖPNV überhaupt möglich ist.

Als weiteres zentrales Thema nannte sie Sicherheit. Für Frauen gibt es häufig sogenannte „Angsträume“, die aktiv gemieden werden, da sie subjektiv als gefährlich wahrgenommen werden. Frauenparkplätze oder Heimwegtelefone könnten die Antwort sein. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Frauen in eine Opferrolle gebracht und dort gehalten werden.

Für die Anschaulichkeit räumlicher Auswirkungen des Gender Plannings präsentierten einige ihrer Studierenden die Seminararbeit „Hannover Mit(te) Gestalten – Weiterführung des Innenstadtdialogs mit Fokus auf geschlechtergerechtes Planen und Entwerfen“. Sie stellten Orte in der Innenstadt und Visionen für ihre geschlechtergerechte Gestaltung vor.

Als lokale Expertin sprach Diplom-Geografin Ingrid Heineking darüber, wie eine Gender-Analyse über Mobilität in der Region Hannover, an deren Erstellung sie mitgewirkt hat, ein qualifizierender Aspekt in der Planung ist. Dabei wurde auch vermeintlich Gesetztes hinterfragt. Es kam heraus, dass sich schon eine Veränderung im Mobilitätsverhalten bemerken lässt. Junge Frauen haben früher und häufiger einen Führerschein als Männer, während in den älteren Altersstufen Frauen Mitfahrerinnen sind. Im Allgemeinen unterscheiden sich die Mobilitätsmuster von Männern und Frauen bei den Versorgungstätigkeiten und den Arbeitswegen: Während Männer eher schnell lineare Wegstrecken zurücklegen, haben Frauen ein ausgeprägtes Wegenetz mit einer geringeren Geschwindigkeit. Um unabhängig vom motorisierten Individualverkehr zu werden, sei es wichtig, den ÖPNV an weibliche Mobilitätsbedürfnisse anzupassen. Weiterhin sieht Heineking einen Ansatzpunkt für Maßnahmen bei den Umbruchsphasen in dem Leben der Menschen. Während viele Studierende ohne Auto unterwegs sind, ändert sich dies beim Einstieg in die Arbeitswelt. Diese Umbruchsphase können durch spezielle Maßnahmen, z.B. günstigere Tarife, begleitet werden um Anreize zu schaffen, sich weiterhin autofrei zu bewegen. Ziel der Mobilitätsanalyse war es, konkrete Forderungen an die Verwaltung zu entwickeln. Aus den erhobenen Daten ergaben sich sieben Forderungen. Die Kernpunkte beschäftigen sich mit zielgruppenspezifischen Beteiligungsformaten, Bedarfsverkehr, Steigerung der Sicherheit, Push- und Pull-Maßnahmen und dem Zusammendenken von Siedlungs- und Verkehrsentwicklung. Gleichsam ist aber ein zentraler Punkt Experimente zu wagen und neue Maßnahmen zu testen.

Dr. Dipl.-Ing. Dr. Heide Studer ist Landschaftsökologin und Sozialanthropologin aus Wien. In ihrem Büro Tilia entwickelt und erforscht sie öffentliche Räume, dabei spielt die Partizipation der Stadtbevölkerung eine zentrale Rolle. Denn der Raum, erklärte sie, wird durch soziale Praktiken hergestellt. Der Stadtraum wird täglich genutzt. „Lebensqualität in Städten bedeutet, dass mehr gewählte, also nicht notwendige Aktivitäten im öffentlichen Raum stattfinden“ zitiert sie Jan Gehl (dänischer Architekt und Stadtplaner aus Kopenhagen). Studer fragte, wo Jugendliche sich einbringen können. Sie betonte, dass Jugendarbeit in Wien burschenorientiert ist, deshalb setzt sie sich für die Teilhabe von Mädchen in Planungsprozessen ein. Dabei legt sie die Diskriminierungen offen und untersucht das geschlechterspezifische Verhalten: Mädchen eigenen sich weniger Orte an als Jungen. Sie halten sich lieber an belebten Orten auf, bei denen sie in der Masse verschwinden können und ohne soziale Kontrolle üben können, selbstständig zu sein. Mit diesen und weiteren Erkenntnissen führte Heide Studers Büro ein Beteiligungsverfahren am Reumannplatz in Wien durch und legte dabei den Fokus besonders auf Mädchen. Bei der späteren Umgestaltung konnte eine Mädchenbühne und ein Aufenthaltsbereich realisiert werden. „Die Mädchen haben bunte Bänke gestaltet und als Mädchenbank beschriftet. Jetzt wird beobachtet, dass Männer diese Bänke räumen, wenn Mädchen sich setzen möchten.“ Freute sich Studer. Stadtverwaltungen müssen für das Genderthema sensibilisiert werden.

Geschlechtergerechte Planung hat zwar an Bedeutung gewonnen, trotzdem fehle noch die planerische Konsequenz, diese in jedem Projekt anzuwenden. Es wurde deutlich, dass es bei Gender planning nicht darum geht, Frauen per se zu unterstützen, sondern verschiedene Lebensentwürfe zu ermöglichen, die z.B. auch Versorgungsarbeit beinhalten. Um eine City für Alle zu gestalten, das war allen nach der Veranstaltung klar, spielen nicht nur räumlich-bauliche Setzungen eine Rolle. Alle Rednerinnen waren sich in einem Punkt einig: Um unterrepräsentierte Gruppen in der Innenstadt zu unterstützen sei es wichtig, Diskriminierungen offenzulegen. Nur so könne man konkrete Forderungen mit den unterrepräsentierten Gruppen entwickeln und in der Stadtentwicklung verankern.

Friederike Kämpfe betone abschließend, dass sich dafür auch Strukturen in der Verwaltung ändern, und Menschen sensibilisiert werden müssten. Selbst, wenn Alle Planer*innen eine Art „Gender-Kompass“ hätten, müssten Anforderungen verbindlich sein, damit geschlechtergerechte Planung zu einer besseren Innenstadt Hannovers führt.

Heide Studer ermutigte: „Fragt die, die da sind! Fragt Mädchen und Jungen. Wenn ohnehin eine Beteiligung stattfindet, ist es wenig Aufwand, diese auch geschlechtersensibel auszuwerten. Ein Nachhaken anhand von statistischen Daten ist möglich, wenn Gruppen nicht berücksichtigt wurden.“

Hier finden Sie einen Zusammenschnitt einiger spannender Momente, sowie einen Beitrag von h1 zur Veranstaltung:

Von |2022-02-21T14:50:03+01:0018.10.2021|

Exkursion zu Urban Sports in der Innenstadt: Forderungen an Politik und Verwaltung

Unter dem Motto „Sport in der City – Von der Vision zum Bewegungsraum für alle!” erkundeten 30 Bürger*innen die Innenstadt. Zusammen mit Heiko Heybey, dem Initiator der Leinewelle, entwickelten sie Thesen dazu, wie urban sports in Hannover verhandelt, geplant und realisiert werden kann.

An vier Stopps einer Innenstadtexkursion, die das Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e. V. mit der VHS am 2. September veranstaltete, begutachteten die 30 Teilnehmenden Situationen, sammelten Ideen und gaben klare Hinweise an die Politik und Stadtverwaltung.

Oliver Kuklinski (Geschäftsführer des bbs), Helene Grenzebach (Geschäftsstellenleitung des bbs), Jaqueline Knaubert-Lang (Leiterin der VHS) bei der Begrüßung zur Exkursion (Foto: Eduardo Navarro)

Sport und Bewegung stellen neben Grün und Aufenthaltsqualitäten große Potenziale zur Entwicklung der Freiräume in der (Innen-)Stadt dar. Dazu müssen Bewegungs- und urban sports-Anforderungen bei der Umplanung von Innenstadtplätzen auf den Radar der Planer*innen. Bodenbeläge und Ausstattungselemente wie etwa Stufen, Bänke und Beeteinfassungen sollten so geplant und gebaut werden, dass “hybride” Nutzungen möglich sind: Ein Freiraum kann so zu unterschiedlichen Tageszeiten verwendet werden um im Schatten von Bäumen seine Mittagspause zu machen, zu skaten oder mit den Kindern fangen zu spielen. Nutzungen können sich auch im Laufe der Jahre ändern, ohne, dass die Plätze immer wieder umgebaut werden müssen.

„Der teure Rentner*innensportplatz sind am Bedarf vorbei geplant und werden kaum genutzt, aber in Bothfeld fehlt das Restgeld, um eine Skateanlage zu bauen, auf die hundert Jugendliche sehnlichst warten und für die sie selber über Jahre die Sponsorengelder eingeworben haben.“ Erklärt Heiko Heybey Initiator der Leinewelle.

Die zuständige Verwaltung muss deshalb ansprechbar und handlungsfähig sein. Dazu wurde angeregt, innerhalb der Verwaltung dezernats-und fachbereichsübergreifend zu arbeiten (wie die AG Stadtplätze, die das inzwischen weitgehend ausgelaufene Stadtplatzprogramm bearbeitet hat). Anwohnende bzw. anliegende Nutzer*innen wie Ladenbetreiber*innen mit ihrer Ortskenntnis sollten früh in die Planung einbezogen werden, ebenso wie Expert*innen der jeweiligen Sport- und Bewegungsarten. Gefragt werden sollten auch Vereine mit Wissen, etwa zu Barrierefreiheit oder der Planung von Sportanlagen. Diese Partner*innen können dann auch in die Bespielung, Betreuung und nachhaltige Nutzung der neu gestalteten Räume einbezogen werden. Die Exkursion hat gezeigt, dass Privatleute, Vereine, Unternehmen und Initiativen in Hannover vor Know-how und guten Ideen strotzen um mehr Bewegung in die Stadt zu bringen.

Klar wurde auch, dass die Gegebenheiten an jedem einzelnen Ort genau betrachtet werden müssen – nicht jeder Platz in Hannovers City eignet sich für Sport. Dazu braucht es fachliche Bestandsaufnahmen und auch eine Prioritätensetzung für Maßnahmen und Umbauten, in die die Stadtgesellschaft einbezogen werden muss. Anwohner*innen sowie zukünftige Nutzer*innen müssen dann früh die Entwürfe mitgestalten und kritisieren dürfen. Und sie müssen Alternativen zur aktuellen, autozentrierten Stadt erleben und ausprobieren können.

Leinewelle

An der Leinewelle beschrieb Heiko Heybey die Funktion der stehenden Welle und den Prozess von der Vision bis zum jetzigen Stand der Baustelle. Besorgte Nachfragen zum Kanuanleger, dem Lebensraum für Fische und dem drohenden Publikumsverkehr beantwortete er fundiert.

Aus dem Publikum kam der dringende Wunsch, den benachbarten Parkplatz im Zuge der Bauarbeiten auch zu einer Spiel- oder Bewegungsfläche umzuwandeln. Eine Anwohnerin entgegnete daraufhin ihren Bedarf an erreichbarem Parkraum. Dieser würde nicht ausreichend berücksichtigt, stattdessen fielen zum Beispiel durch den neu gestalteten Marstall und die Baustelle der Leinewelle immer mehr Parkmöglichkeiten weg. Solche Aktivitäten seien selten gut vermittelt, sie als Anwohnerin erhalte meist keinerlei Informationen, eine Ansprechperson gäbe es nicht. Dieser klassische Nutzungskonflikt zeigt, dass Projekte nicht nur zukünftigen Nutzer*innen, sondern auch Anwohner*innen einbeziehen müssen, um erfolgreich zu sein und die Prioritäten der Maßnahmen zu vermitteln.

Heiko Heybey, Initiator der Leinewelle, stellt den langwierigen aber erfolgreichen Entstehungsprozess der Leinewelle vor. Surfen auf der Leine soll ab dem Frühjahr 2022 möglich sein.

Die Leinewelle zeigt, dass aus privaten Initiativen erfolgreiche Projekte entstehen können, die unserer Stadt Einzigartigkeit und Atmosphäre verleihen. Es ist aber auch deutlich, wie viel Geduld und Beharrlichkeit nötig sind, um Vorurteile, bürokratische Hürden zu überwinden bzw. konkurrierende Nutzungsinteressen auszugleichen. Es wird deutlich, dass bei der Identifizierung und Umsetzung von Projekten eine qualifizierte Kommunikation mit Nutzer*innen und Nachbar*innen und Anwohner*innen erfolgen muss. Das erfordert Mut und das Aushalten von Uneinigkeit und im Vorfeld eine klare gut kommunizierte Prioritätensetzung.Kreuzung Breitestraße/Georgswall

Kreuzung Breite Straße/Georgswall

Die Kreuzung Breite Straße/Georgswall war die nächste Station der Exkursion. Eine Teilnehmerin beschrieb, wie trist und lieblos der Platz sei, die einzig mögliche Nutzung sei das Parken von Autos. Einladend und atmosphärisch sei der Platz nicht, er würde sich hier nicht aufhalten wollen – stimmte ein kommunalpolitisch aktiver Teilnehmer zu. Hier ist es aber leicht möglich, Bewegungsangebote zu schaffen, ohne Lieferverkehr zu verbannen. Denn der Platz, der überwiegend von Büros umgeben ist, muss zum Beispiel am Wochenende oder abends kein Parkplatz sein. Hybride Lösungen und optionale Nutzung eröffnen zahllose Möglichkeiten: Zum Beispiel zerteilen und beengen hohe Bordsteinkanten sonst große Flächen, Kopfsteinpflaster verhindert, dass ein Federballfeld aufgemalt wird oder Kinder Rollschuh laufen. Eine Bank muss nicht nur Bank sein, sie kann Klettergerüst für Kinder, Bühne oder Hindernis für Parcours-Läufer*innen sein. Damit begegnet man auch den Bedürfnissen unterschiedlicher Generationen. Gerade die Interessen von Älteren sahen ein Teil der Teilnehmer*innen selten berücksichtigt, während andere berichteten, dass teure Rentner*innensportplätze leer stünden, aber Restgeld fehle, um eine Skatehalle zu bauen, auf die Jugendliche in Bothfeld sehnlichst warten.

Hybride Gestaltung und in der Folge vielfältige Nutzungsmöglichkeiten verhindern solche Fehlinvestitionen, bei denen starr geplante Angebote von der angesprochenen Zielgruppe nicht (oder nicht mehr) angenommen werden. Eine weitere Möglichkeit, diese Fehlinvestitionen zu vermeiden, sind Tests und temporäre Aufbauten, um über einen längeren Zeitraum zu erforschen, ob und wie sich die geplante Nutzung entwickelt. Hier sind die aktuell laufenden Experimentierräume der Stadtverwaltung ein guter Startpunkt.

Skatemöglichkeiten oder Bewegungsangebote für Senioren? Überlegungen an der Kreuzung Breite Straße/Georgswall

Hybride Gestaltung und in der Folge vielfältige Nutzungsmöglichkeiten verhindern solche Fehlinvestitionen, bei denen starr geplante Angebote von der angesprochenen Zielgruppe nicht (oder nicht mehr) angenommen werden. Eine weitere Möglichkeit, diese Fehlinvestitionen zu vermeiden, sind Tests und temporäre Aufbauten, um über einen längeren Zeitraum zu erforschen, ob und wie sich die geplante Nutzung entwickelt. Hier sind die aktuell laufenden Experimentierräume der Stadtverwaltung ein guter Startpunkt.

Prinzenstraße/Schiffgraben

Die Notwendigkeit von Experimenten wurde auch am nächsten Standort deutlich, dem neu gestalteten Park auf dem Mittelstreifen von Prinzenstraße/Schiffgraben. Inmitten des Verkehrslärms der beiden zweispurigen Straßenseiten bleibt kaum Gelegenheit, die insektenfreundliche Wiese zu genießen. Die Idee kam auf, die Straße nur noch einseitig am Park entlang zu führen. Hier würde viel Fläche frei, die doppelt so groß ist wie der Skatepark Linden Süd am Allerweg. Das, so eine Teilnehmerin, sei für sie völlig unvorstellbar. Und dies ist nachvollziehbar, wenn man sich die aktuelle Situation mit Lärm und Gestank anschaut. Hier einen Spielplatz zu errichten, Boule oder Skaten zu ermöglichen, wäre eine Zumutung. Um sie vom Gegenteil zu überzeugen, muss sie diese Vision erleben. Den vielen Anwohner*innen in Hedwig- und Warmbüchenstraße, die kaum Grünflächen oder Bewegungsmöglichkeiten in ihrem Wohnviertel haben, muss die Möglichkeit gegeben werden, Neues und Unbekanntes über einen längeren Zeitraum zu testen und auszuprobieren.

Weniger graue Autospuren, mehr attraktive Freifläche? Diskussionen über Zukunftsszenarien am Schiffgraben

Köbelinger Markt

Den allseits zu erwartenden Nutzungskonflikten kann begegnet werden, indem in klug geplanten Reallaboren/Experiementierräumen die schöne und attraktive Innenstadt erlebbar gemacht wird. Aber hier muss darauf geachtet werden, dass Aktionen nicht nur kurzzeitige Projekte bleiben, sondern nachhaltig Teil des Stadtbildes werden. An der letzten Station der Exkursion, dem Köbelinger Markt, ist ein zweiwöchiges Experiment durchgeführt worden. Die Bilder des großen, seinerzeit von parkenden Autos befreiten Platzes, wirken nach, Teilnehmende können sich hier leicht Hängematten, Slacklines, Boulebahnen und Schaukeln vorstellen. Vor dem inneren Auge entsteht ein Innenstadtspielplatz mit Wasser und Bewegungselementen für Kinder und Erwachsene, ein südländisch anmutender Platz, der statt zum Parken nun auch zum Verweilen einlädt und an dem man sich Marktstände und Sitzgelegenheiten mit südländischem Flair vorstellen kann.

(Park-)Platz mit südländischem Flair? Weg mit den Autos und her mit den Bänken und Cafés!

Die Exkursion war die dritte Veranstaltung des Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e. V. und der Volkshochschule Hannover im City-Diskurs ZUKUNFTinnenSTADT. Zur großen Frage nach der Zukunft der Innenstadt Hannovers wurde diesmal aus der Perspektive der Bewegung und des urban sports Antworten gesucht. Viele Ideen und Inspiration konnten bereits auf der Zukunftswerkstatt „Bewegungs(T)räume Innenstadt“ der Landeshauptstadt Hannover gesammelt werden. Hier wurde, auf Initative der Stadtverwaltung zusammen mit Stadtbaurat Thomas Vielhaber und Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf – am Vortag – beispielhaft über ausgewählte Innenstadträume und deren Eignung für Sport und bewegung gesprochen.

Das Thema Bewegung in der Stadt ist durch Corona wichtiger geworden. Dass es neben sanierungsbedürftigen Vereinssportanlagen der 70er Jahre nun auch in der Innenstadt platziert wird, ist neu. Die Angebote müssen maßgeschneidert sein und zu benachbarter Nutzung passen. Besonders in der Nähe von Wohnhäusern besteht hoher Bedarf: Hier ist es nötig, den Plätzen der Innenstadt – zum Beispiel durch Bewegungsangebote – Profil und Identität zu verleihen. Um fortschrittlich zu planen, müssen Prozesse in der Verwaltung beschleunigt und Hindernisse beseitigt werden. Vom Anstoß zur Eröffnung dürfen nicht acht, sondern höchstens zwei Jahre vergehen. Das erfordert Mut und das Aushalten von Konflikten. Damit Außergewöhnliches entsteht und Trends erlebbar werden, müssen das Ausprobieren und auch der Mut zum Scheitern in der Verwaltung der Landeshauptstadt Normalität werden. Motivation für diesen Prozess liefern der Spaß und die Freude, die ein Tischtennisspiel unter freiem Himmel macht.

 

Exkursion verpasst? Hier gibt es noch einmal einen Zusammenschnitt mit spannenden Eindrücken:

 

ZUKUNFTinnenSTADT

Das bbs stellt 2021 und 2022 die kooperative Entwicklung der Innenstadt in den Fokus seiner Arbeit. Kooperationspartner*innen sind die Volkshochschule Hannover (VHS) und Politik zum Anfassen e. V. Über das Jahr hinweg werden in digitalen und analogen Veranstaltungen, mobil in den Stadtteilen, per App auf PLACEm und in der VHS Hannover zahlreiche Facetten der Innenstadt Hannovers beleuchtet. Ziel ist es, mit Bürger*innen und Expert*innen eine Vision für die Innenstadt Hannovers zu kreieren und damit einen gehaltvollen Beitrag zur Stadtentwicklung zu leisten. Auf dem Weg dahin inspiriert die Reihe Bürger*innen sich mit der Innenstadt auseinanderzusetzen und pflanzt Ideen, wie sie attraktiver, lebendiger und vor allem gerechter werden kann. Mehr Infos hier.

Von |2021-09-13T12:13:57+01:0006.09.2021|

Hier Passiert’s! Wer bewegt den Stadtteil?

Die Plakataktion “Hier Passiert’s! Wer bewegt den Stadtteil?” lädt zur Kommunalwahl am 12.9.2021 ein. Greifbare Erfolge der Stadtbezirksräte in der letzten Wahlperiode werden durch Plakate für die Bevölkerung sichtbar gemacht. Durch konkrete Projekte, die durch die Stadtbezirksräte realisiert wurden, wird gezeigt, dass Kommunalpolitik relevant ist und damit wird ein Anreiz für die Beteiligung an den Wahlen geschaffen. Das Bürgerbüro Stadtentwicklung setzt darauf, dass das Verständnis der Bürger*innen für Kommunalpolitik durch die Plakate in drei Stadtteilen gefördert wird und so die Wahlbeteiligung am 12. September steigt.

In manchen Bezirken Hannovers liegt die Wahlbeteiligung bei unter 40 Prozent. Häufig sind das Stadtteile in prekären Soziallagen. “Hier passiert’s!” konzentriert sich auf die Stadtteile, die 2016 die geringste Wahlbeteiligung hatten und spricht nicht wählende Bürger*innen an. Die Bürgermeister*innen der Stadtbezirksräte Döhren-Wülfel, Bothfeld-Vahrenheide und Nord haben das Vorhaben unterstützt und erfolgreiche Projeke aus den Stadtteilen Mittelfeld, Vahrenheide und Hainholz genannt. Aus deren Angaben wurden Plakate, die in den Stadtteilen das jeweilige Projekt markieren. Auch auf social media Kanälen werden die Erfolge geteilt und öffentlich gemacht.

Dabei bleibt die Darstellung der Arbeit der Stadtbezirksräte explizit auf die Vergangenheit beschränkt und ohne Fokus auf die antragstellende oder ausschlaggebende Partei.

Ausgewählte Projekte

Vahrenheide
  • Sozial- und Migrationsberatungsstelle Vahrenheide
  • Fitnessparcours / Calisthenics im Grünzug Vahrenheide
  • Stadtteilpark Schwarzwaldstraße
Hainholz
  • Hainhölzer Markt
  • Naturbad
  • Offener Mittagstisch
Mittelfeld
  • Nachbarschaftstreff
  • Bücherschrank und Spielplatz
  • Erneuerung niederländischer Expo-Pavillon

 

 

Die Anlauf-, Koordinations- und Vermittlungsstelle in Vahrenheide wurde 2019 errichtet. Es gab vorher keine Beratungsstelle, die pragmatische, lösungsorientierte Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten anbietet. Geholfen wird allen Bürgerinnen und Bürger mit Fragen zu Migrationsberatung. Neu zugezogene geflüchtete Menschen erhalten Unterstützung. Von Juni 2019 bis Juni 2020 wurden 1.457 Beratungsgespräche durchgeführt! Durch die Beratungsstelle werden soziale Einrichtungen entlastet, der Lebensunterhalt gesichert und die gelingenden Integration und Teilhabe wird gefördert. Dem Projekt wurde eine dauerhafte Finanzierung zugesichert.

 

Hainhölzer Markt: Hier wurde ein alter Wohntrakt entfernt, damit ein neues Haus mit Wohnungen für Menschen mit Behinderungen entstehen kann. Ein Wohncafé und eine Bankfiliale finden dort ebenfalls Platz. Der “Hainhölzer Markt” wird seit zehn Jahren mit einem Bauherren entwickelt. Dieses Jahr soll mit dem Bau begonnen werden. Der Bezirksrat hat sich für die frühzeitige realisierung des Hochbahnsteiges eingesetzt.

 

Durch die Arbeit des Bezirksrats konnte die frühere Stadtbücherei Mittelfeld als Nachbarschaftstreff erhalten werden. Der hintere Außenbereich bekam Turngeräten für Alt und Jung. Hier ist es gelungen, nicht nur eine einmal angedachte Schließung des Nachbarschaftstreffs zu verhindern, sondern diesen in Zusammenarbeit mit Verwaltung und Vereinen zu einem kleinen Stadtteilzentrum auszubauen. Teile des Projektes sind eine Vertrauensbücherei, die Möglichkeit Veranstaltungen durchzuführen und ein Mehrgenerationenplatz, der mit den unterschiedlichsten Spiel- und Sportgeräten bestückt wurde. An der Auswahl waren die Nutzer*innen beteiligt.

 

Das Naturbad entwickelte sich aus einer Bürger*innenbewegung. Die Stadt wollte das bestehende Freibad nicht weiter unterstützen. Die “Bad-AG” setzte sich für den Bau eines Naturbades ein und konnte den Wunsch gemeinsam mit Hilfe des Bezirksrats erfüllen. Das Naturbad ist das einzige seiner Art in ganz Hannover.

 

Der Stadtbezirksrat Bothfeld-Vahrenheide hat einen Gerätepark für Krafttraining unter freiem Himmel entstehen lassen. Calisthetics ist körperliches Training ohne spezielles Sportequipment. Das Training funktioniert mit dem eigenen Körpergewicht. Durch die Geräte hat jede*r Bürger*in eine einfache Möglichkeit, ein neues Fitnesslevel zu erreichen, Kraft aufzubauen und dabei unabhängig vom Fitnessstudio zu sein. Anlass zum Bau war eine Bedarfserhebung mit Vertreter*innen der Jugendhilfeeinrichtungen. Viele Menschen wünschten sich Fitnessparcours. Das wurde an den Stadtbezirksrat gerichtet. Dieser hat bei der Stadtverwaltung einen Antrag gestellt. Nach intensiven Diskussionen und Mitwirkung von Jugendlichen wurde der Gerätepark gebaut.

 

Ein neuer Bücherschrank mit einer separaten Abteilung für Kinderbücher wurde vom Bezirksrat finanziert und von der Verwaltung am Rande des Spielplatzes Gundelachweg aufgestellt. Damit wird an diesem bei vielen Familien im Stadtteil beliebten Ort ein niedrigschwelliges Leseangebot für Alt und Jung gemacht, das auch sofort nach Einweihung sehr gut angenommen wurde. Der Spielplatz selbst wird mit neuem Spielgerät aufgewertet.

Kartendarstellung

Wo sind die Projekte und die Plakate? Hier eine Übersicht

 

Von |2021-09-09T17:24:40+01:0001.09.2021|

Das Bürgerbüro im Experimentierraum

Das Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e. V. ergriff die Chance und platzierte sich am 15.7. am Köbelinger Markt: Der Innenstadtdialog der Stadt Hannover bot Akteur*innen der Stadtgesellschaft an, sich im zweiten Teil der Experimentierrräume zu engagieren. Zusammen mit Politik zum Anfassen e. V. packten wir unsere Infomaterialien, Umfrage und Mitmachausstellung und dekorierten den autofreien Köbelinger Markt. Direkt zu Beginn schleusten wir zwei Schulklassen durch den Stand und erhielten von ihnen viele Anregungen: Mehr Geschäfte mit Videospielen, Bänke, an denen man über Solarpanele sein Telefon aufladen kann, mehr Radwege. Viele waren sich einig: Wohnen in der Innenstadt? Nein danke, dort gibt es zu wenig Grün und Spielplätze. Wir waren dauerhaft mit Passant*innen im Gespräch und haben viele neue Eindrücke und Ideen mitgenommen. Lasst euch von unserer Visions-Wand in der Bildgallerie inspirieren. Bereits am 31.7. sind wir wieder draußen mit “Die City kommt zu uns!”. Dann stehen wir mit der Wanderbaumallee am Engelbosteler Damm. Unsere Vor-Ort-Aktionen sind alle Teil des bbs-Projekts ZUKUNFTinnenSTADT.

Der Experimentierraum hat sehr viel Spaß gemacht und ließ sowohl uns, als auch Bürger*innen mit neuem Blick in die Zukunft denken. Wir sind gespannt auf weitere kreative Ideen im Innenstadtdialog!

Von |2021-08-24T13:47:21+01:0016.07.2021|

Hannover – grüner Gürtel, graue Mitte

Hannover ist als Gartenstadt mit Tradition bekannt, aber die Innenstadt fällt zurück. Freiraumentwickler*innen beschreiben Hannovers öffentliche Räume als „zu grau, zu steinern“. Kann Natur helfen, die City aufatmen zu lassen? Darüber sprachen Lisa Kreft (Verkehrsclub Deutschland e. V.) und Dr. Martin Sondermann (Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz Gemeinschaft) mit den 50 Teilnehmenden und der Moderatorin Prof. Dr. Tanja Mölders (LUH/ARL) am 8. Juli im Rahmen der bbs-Veranstaltung “Natur im Zentrum – Stadtgrün und die Bedeutung von Natur in Stadtzentren“. Diese ist Teil von ZUKUNFTinnenSTADT.

„Um Städte grüner zu machen, muss lokales Expert*innenwissen in Quartieren gesammelt, gebündelt und aufbereitet werden. So kann eine kritische Masse zustande kommen und sich hohe Strahlkraft entfalten.” (Lisa Kreft)

Lisa Kreft arbeitet beim VCD für das Kommunikationsprojekt “Straßen für Menschen” mit dem Schwerpunkt Flächengerechtigkeit und Umnutzung von Verkehrsräumen. Zukünftige Herausforderungen wie Klimaanpassungen oder die Bedürfnisse der Gesellschaft machen solche Umnutzungen notwendig. 2014 zeigte eine Befragung in London, was Menschen für einen gesunden Straßenraum halten. Dazu gehören z. B. saubere Luft, Orte zum Verweilen sowie Schatten, der durch Bäume gespendet wird. Eine Intensivierung des Stadtgrüns kommt diesen Aspekten entgegen. Bei einer Außentemperatur von 28°C erhitzt sich der Beton auf bis zu 50°C, während der Rasen im Schatten sogar nur 26°C anzeigt. Problem: weiterhin dominiert der Autoverkehr auf den Flächen. Lisa Kreft zeigte motivierende Beispiele der alternativen Nutzung auf, wie z. B. „Stadt aufmöbeln”, „Gieß den Kiez” oder die Wanderbaumallee, die bald auch in Hannover steht.

„Die Innenstadt Hannovers leidet unter Hitzestress und hat wenig Aufenthaltsqualität. Wissen und kreative Ideen, das zu ändern, sind bekannt. Eine Umsetzung erfordert Mut, Kraft, Diskussion und Überzeugungsarbeit.” (Dr. Martin Sondermann)

Dr. Martin Sondermann brachte die planerische Perspektive in die Runde. Er bewertete das Grün der hannoverschen Innenstadt insgesamt positiv, doch appellierte, sich nicht auf dem aktuellen Stand auszuruhen. Er machte klar, dass Stadt(grün)entwicklung eine kommunale Aufgabe ist und es viele Potenziale in Hannover gibt. So kann die Stadt Auflagen für Investoren festlegen, was die Begrünung von Neubauten betrifft. Hier sei Hannover nicht mutig genug. Bei der Planung müsse sich eine Stadt am Gemeinwohl und der Nachhaltigkeit orientieren – was ist für wen nutzbar und wie lange? Im öffentlichen Raum sei im Prinzip alles möglich, was wichtig für die Demokratie in einer Stadt sei. Als weiteres Positivbeispiel der integrativen Stadtentwicklung stellte er Lissabon vor. Einwohner*innen legten auf einer Brache einen illegalen Gemüsegarten an. Die Stadt griff die Initiative auf, förderte und schuf drumherum ein neuer Aufenthaltsort: der Parque Urbano da Quinta da Granja. Er ist Teil eines wachsenden Netzwerks und zeigt eindrücklich, dass Verwaltung sich an Initiativen aus der Bevölkerung kreativ beteiligen kann.

Inspiriert von den Vorträgen diskutierten die Teilnehmenden in Kleingruppen. Viele Ideen sammelten sich, als es darum ging, in die Rolle eine*r Freiraumplaner*in zu schlüpfen: Die Neuverteilung des öffentlichen Raumes und der Umgang mit Hitzeinseln waren wichtige Oberbegriffe. Konkret wurde über die Verschönerung des Leineufers (Verwildert oder gepflegt?) und den Andreas-Hermes-Platz gesprochen.

Was braucht Hannover, um eine grüne Innenstadt umzusetzen? Die bisherige Flächennutzung muss überdacht werden. Die gesamte Stadtgesellschaft soll eingeladen werden, Straßen nach ihren Bedürfnissen zu gestalten. Erkenntnisse und Wissen zu nachhaltigem und gutem Leben in der Stadt sind schon lange vorhanden, aber ein Bewusstseinswandel steht noch aus. Nutzungskonflikten kann begegnet werden, indem in Reallaboren die schöne und attraktive Innenstadt erlebbar gemacht wird. Die Experimentierräume sind ein bemerkenswerter Versuch dazu.

 

 

Das Bild zeigt die Ideen und Wünsche, die in den Kleingruppen entstanden sind, außerdem erhalten Sie nachfolgend noch einmal die Möglichkeit, sich die Vorträge von Lisa Kreft und Dr. Martin Sondermann in Gesamtlänge anzuschauen.

Von |2021-09-10T20:22:51+01:0009.07.2021|

“Die City kommt zu uns!” Mitmachaktionen auf dem Ricklinger Markt

“Die City kommt zu uns!” ist ein Part unseres City-Diskurses ZUKUNFTinnenSTADT. Am Donnerstag, dem 24.06., gab es die Premiere: Zusammen mit Politik zum Anfassen e. V. bespielten wir den Ricklinger Markt mit unseren Mitmachaktionen zur Innenstadt. In Gesprächen, bei unserer Umfrage und verschiedenen Spielen konnten wir neue Erkenntnisse gewinnen: Viele der Menschen besuchen die Innenstadt z. B. gar nicht. Andere wiederum vermissen Karstadt, doch auch kleine Spezialgeschäfte seien wünschenswert. Eine der wichtigsten Bemerkungen: Die Stadt braucht umfassende Barrierefreiheit!

Wir konnten Erfahrungen sammeln und freuen uns auf weitere Aktionen. Voraussichtlich am 15.7. in den Experiementierräumen der Verwaltung und am 31.7. am E-Damm. Bleiben Sie gespannt!

Von |2021-07-06T11:40:06+01:0006.07.2021|

Auftaktveranstaltung “Zukunft der Innenstadt Hannovers” – Die Innenstadt als Wohnzimmer?

Am 3.6.2021 starteten wir mit 80 Teilnehmer*innen unseren Citydiskurs ZUKUNFTinnenSTADT mit der Veranstaltung „Zukunft der Innenstadt Hannovers“. Wir luden Stadtentwicklungsexpert*innen sowie Hannovers Bürger*innen ein mit uns über die Zukunft unserer City zu reden. Dr. Beate Hollbach-Grömig leitete mit der Definition des Begriffs Urbanität ein und erläuterte die Funktion des Handels, besonders vor dem Hintergrund der Corona-Krise. Prof. Tim Rieniets ergänzte andere wichtige Funktionen von Innenstädten. Er zeigte an einem Supermarkt, wie Handelsimmobilien, wie z. B. auch das Karstadt-Gebäude in Hannover, umfunktioniert werden können. Anschließend skizzierte Baudezernent Thomas Vielhaber Wege für Hannovers Stadtzentrum unter dem Eindruck der neuen Leipziger Charta und zählte Stärken und Schwächen der Hannover-City auf. Mit unseren Gästen konnten wir im anschließenden Dialog erkenntnisreiche Schlussfolgerungen ziehen. Die Metapher der Innenstadt als großer Tisch, an dem alle Bewohner*innen Platz finden, zog sich durch die Veranstaltung.

Nachdem Manfred Müller, Vorstandsvorsitzender des bbs und Jaqueline Knaubert-Lang, Leiterin der VHS Hannover, unsere Gäste begrüßten, referierte Dr. Beate Hollbach-Grömig zum Begriff „Urbanität“. Sie betonte, dass jede*r eine andere Vorstellung davon hätte. Unsere Innenstädte müssten diverser werden, damit jeder Platz am Tisch namens “Innenstadt” findet, weshalb auch die Nutzung von Gebäuden diverser werden müsse. Sie skizzierte die Funktionen einer Innenstadt und betonte die Bedeutung als Wirtschafts- und Arbeitsstandort im Rahmen nachhaltiger Stadtentwicklung, in der sozialer Zusammenhalt essentiell ist. “Beim Einkaufen in der Stadt geht es zunehmend um die Freizeit- und Erlebnisfunktion. Handelsorte sind auch Begegnungsorte”, so Hollbach-Grömig. Die Ergebnisse der Oberbürgermeister-Befragung 2021 des DifU zeigten, dass nach Klimapolitik, Verkehr und Digitalisierung die Innenstadtplanung erstmals als einer der wichtigsten Handlungsfelder gesehen wird. Es ist aber Geduld notwendig: Die Stadtentwicklungsexpertin schätzt, dass die Neuaufstellung einer Stadt fünf bis zehn Jahre dauert. Bis die Innenstadt ihre Attraktivität nach der Coronapandemie und dem mehr als 80%-igen Frequenzrückgang wiedergewinnt, wird es zwei bis drei Jahre dauern.

“Die Zukunft der Stadt kann nicht ohne die Innenstadt gedacht werden”, so Prof. Tim Rieniets. “Sie ist das symbolische Zentrum des Gemeinwesens Stadt. In einer Stadt wie Hannover ist es nicht ausgeschlossen, dass Menschen in getrennten Welten leben, doch alle kennen die Innenstadt. Sie ist wie das Wohnzimmer einer Wohngemeinschaft, in dem alle Platz finden”. Was können wir tun, damit das passiert? Auch Rieniets erklärt, dass der Einzelhandel gestärkt werden müsse, doch er spricht sich gegen die Monofunktionalität der City in Form des Einkaufens aus. Die öffentlichen Räume müssen genutzt, Verkaufsflächen reduziert und konzentriert werden. Rieniets sprach von weiteren “Frequenzbringern”, wie z. B. Fachmärkten, Produktionsstandorten, dezentralen Hotels oder Coworking-Spaces. In Planungen werden diese oft am Rande der Stadt gedacht. Wie wäre es, sie wieder in die Stadt zu holen? Mit diesen Nutzungen könnten Leerstände behoben und Freiräume belebt werden.  Einen solchen Leerstand gibt es in Hannover z. B. mit dem alten Karstadt-Gebäude. “Recycling-Möglichkeiten” für solche Großstrukturen gibt es viele, wie z. B. Wohngebäude oder Büros.

Den letzten Vortrag hielt Thomas Vielhaber, der seit 2020 Baudezernent in Hannover ist. Er äußerte sich ganz explizit zu seinem Erleben der Situation in Hannovers Innenstadt. Dabei hob er unter anderem hervor, dass die Universität in der Innenstadt nicht sichtbar ist. Auch dort lägen verborgene Potentiale zur Belebung der Stadt, die ebenso durch eine stärkere Verknüpfung zwischen Stadtteilen und City passieren könnte. Weiterhin spielt der Umbau zu einer klimaresilienten Innenstadt und damit die Schaffung neuer grüner Aufenthaltsorte eine zentrale Rolle. Als eine von Hannovers Stärken betonte er die innerstädtischen Arbeitsplätze als “Frequenzbringer”, sowie die grün-blaue Infrastruktur (Wasser- und Grünflächen) im Umfeld, die noch mehr Einzug in die Innenstadt finden müsse.  Nach den Geschäftszeiten müsse das Stadtzentrum mehr an Leben gewinnen. Bei diesen Herausforderungen können Experimente im Stadtraum helfen. Hier werden Straßenzüge oder Plätze zeitweise anders und innovativ genutzt, um neue Entwicklungsmöglichkeiten zu erproben. Vielhaber sprach in dem Kontext auch den Innenstadtdialog an, der Platz für die sogenannten „Reallabore“ bieten könnte.

In kleinen Diskussionsrunden wurde deutlich, was Hannovers Bürger*innen sich für die Innenstadt wünschen: mehr Lebendigkeit, Multifunktionalität, nicht-kommerziellen Aufenthalt und die Innenstadt als Ort des Zusammenkommens. Vorhandene Raumressourcen, wie etwa leerstehende Gebäude, müssen nachhaltig genutzt werden – mit Umbau statt Abriss.

Die drei Expert*innen fassten zusammen, dass die Stadtentwicklung die Aufgabe aller ist. Potenziale kreative Gruppen müssen genutzt werden. Hannover durchlebt durch Corona eine Krise, die aber als Chance genutzt werden kann. Hannovers Bürger*innen haben einen differenzierten Blick auf die Innenstadt. Ihre Perspektiven, müssen unbedingt in die Innenstadtentwicklung einfließen. “Stadtentwicklung ist ein Prozess, der nie endet”, betonte Vielhaber. Stadt hat sich immer geändert und wird sich immer ändern. Eins ist nach dieser Veranstaltung klar: Die soziale, gerechte und nachhaltige ZUKUNFTinnenSTADT kann nur gemeinsam geplant werden.

Abschließend erhalten Sie noch einmal die Möglichkeit, sich die Vorträge von Dr. Beate Hollbach-Grömig, sowie Prof. Tim Rieniets und Herrn Thomas Vielhaber in Gesamtlänge anzuschauen.

 

 

 

 

 

Von |2021-09-10T20:26:11+01:0014.06.2021|

Wie können Wohnungs- und Obdachlose in Stadtgestaltungsprozessen besser beteiligt werden?

Für die Hannoveraner Wohnungs- und Obdachlosen hat sich in der letzten Zeit einiges getan. Mitte März wurde in der HAZ die Eröffnung eines Housing-first Projekts in Hannover-Vahrenwald verkündet. Insgesamt stand die Thematik der Wohnungs- und Obdachlosigkeit in den letzten Monaten immer wieder auf Grund verschiedener Vorkommnisse im Blick der Öffentlichkeit. Mit Projekten wie in Vahrenwald kann den Betroffenen eine Chance gegeben werden. Trotzdem gibt es noch viele weitere Wohnungs- und Obdachlose auf den Straßen Hannovers. Viele der Plätze und Orte, an denen sie sich aufhalten, sollen nun neu gedacht werden – im Zuge der Auseinandersetzung mit der Zukunft der Innenstadt. Diese soll gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitet werden. Die Beteiligung der Bürger*innen kann dabei sowohl direkt als auch über Interessenvertretung laufen. Leider sind eben die Menschen, die die Innenstadt selbst in Corona Zeiten nutzen, die Wohnungs- und Obdachlosen, häufig schwer erreichbar. Ein erster Anfang wurde nun getan – vom 19.04.21 bis zum 25.04.21 fand eine Online-Umfrage zum Thema Wohnungslosigkeit statt. Zudem soll im Sommer ein Bürgerpanel zu dem Thema aufgezogen werden. Bei diesen durchgeführten und noch geplanten Aktionen, stellt sich die Frage, wie Betroffene am besten in die Bürger*innenbeteiligung integriert werden können – damit auch diese Nutzer*innen der Stadt einen Einfluss auf ihre Gestaltung haben.

Die Hindernisse

Im Rahmen einer Studienarbeit habe ich zu dem Thema in Hannover mehrere Interviews mit Betroffenen und Expert*innen geführt. Es wurden unterschiedliche Perspektiven auf das Thema dargelegt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Hindernisse bei der Beteiligung zwischen der persönlichen und der strukturellen Ebene verzahnt sind.

Die ‚Gruppe‘ der Wohnungs- und Obdachlosen zeichnet sich durch eine große Heterogenität in vielen ihrer Probleme und Bedürfnissen aus. Ähnlichkeiten lassen sich aber bei ihren Grundproblemen finden: Jeden Tag zu schauen wo sie und ihre Dinge bleiben. In dieser Situation noch Zeit und Energie für anderes aufzubringen ist häufig nicht möglich. Marius (anonymisiert), der selbst Obdachlos ist, sagt dazu „Wenn ich eine Wohnung und so hätte, hätte ich mehr Zeit.“

Eine größere Bedeutung als die persönliche hat jedoch die strukturelle Ebene. Der Umgang mit Menschen aus dieser Gruppe kostet viel Überwindung. Nicht nur, dass man sich mit den eigenen Vorurteilen auseinandersetzen muss. Man wird auch mit dem eigenen Schamgefühl konfrontiert und begibt sich in Situationen außerhalb der Komfortzone. Das lässt sich schon am alltäglichen Umgang mit Obdachlosen erkennen. Die meisten Menschen schauen weg – die Obdachlosen werden ignoriert. Dabei ist genau dieses „Nichtgesehen werden“ für die Betroffenen häufig sehr schlimm.

Dieses Wegschauen ist auch abseits des Alltags vorhanden. In Gesprächen mit zwei Organisator*innen von Beteiligungsprozessen sagten beide, dass Wohnung- und Obdachlose von Auftraggeber*innen nicht als Zielgruppe für die Prozesse genannt werden. Der Beteiliger Oliver Kuklinski ging einen Schritt weiter und erklärte, dass das Ziel von Stadtumgestaltung häufig das Loswerden solcher ‚unerwünschten‘ Gruppen sei. Solange dieses Ziel bleibt und die Interessen Obdachloser schlechter vertreten werden als die anderer, finanziell stärkerer, Nutzer*innen der Orte, sollen Beteiligungsprozesse diese Gruppe nicht erreichen. Auch dadurch entstehen Prozesse, deren Rahmenbedingungen diesen Teil der Bevölkerung nicht beachten: Melanie Schlöndorff, die bei der Wagner’schen Stiftung Sozialarbeit leistet, erzählte von einer Veranstaltung zum Thema Obdachlosigkeit in Hannover, die vor einigen Jahren in der Orangerie stattfand. Bei dieser waren Obdachlose anwesend, aber es war ihnen nicht erlaubt ihre Hunde mit hineinzunehmen. Publikum und Podium bestand aus ‚Anzugtragenden‘. Die Betroffenen wurden durch die Umgebung und Gestaltung der Veranstaltung eingeschüchtert und konnten sich nicht mitteilen.

Wie kann es anders gehen?

Das Hindernis der existenziellen Sorgen kann nur durch eine Verbesserung der allgemeinen Situation der Betroffenen aus dem Weg geräumt werden. Da das schwer erreichbar ist, ist ein erster Ansatzpunkt eine Veränderung des Umgangs mit Wohnungs- und Obdachlosen. Die Menschen müssen angenommen und ihnen sollte, so weit wie möglich, auf Augenhöhe begegnet werden. Das bedeutet eine Anpassung der Rahmenbedingungen von Beteiligungsprozessen. Einen Termin für eine Veranstaltung im Rathaus zu vereinbaren ist für die Beteiligung von Wohnungs- und Obdachlosen nur selten erfolgreich. Auch die Verlegung der offiziellen Veranstaltung an den Ort, der verändert werden soll, führt eher zu einem Rückzug der Wohnungs- und Obdachlosen. Stattdessen sollte eine aufsuchende Beteiligung durchgeführt werden. Dabei werden die Betroffenen vor Ort in informellen Gesprächen nach ihren Wünschen und Bedürfnissen gefragt. So können Menschen erreicht werden, die anders nicht zu Wort kommen.

Wie bei anderen Bevölkerungsgruppen haben nicht alle Wohnungs- und Obdachlosen ein Interesse daran sich zu beteiligen. Das muss akzeptiert werden. Sie könnten durch einen Ausbau der Vertretung mitgedacht werden. Zum einen gibt es bereits jetzt Sozialverbände, die für die Interessen der Betroffenen eintreten. Eine andere Idee hat Volker (anonymisiert), der momentan wohnungslos ist, geäußert. Er schlägt vor, in Obdachlosenstellen wie Tagestreffs nach Vertreter*innen zu suchen, die das Thema der Obdachlosigkeit in die Öffentlichkeit rücken und sich für die Gruppe einsetzen. Dass Wohnungs- und Obdachlose sich einbringen, ist an der Zusammensetzung der Vereine ‚Stimme der Ungehörten‘ (StiDu e. V.) und auch der Initiative ArmutStinkt zu erkennen. In diesen sind auch Betroffene engagiert.

Die Beteiligungsprozesse sollten sich damit beschäftigen, wie sie auch die Menschen erreichen können, die häufig nicht gehört werden. Eine Auseinandersetzung mit ihren Perspektiven, Wünschen und Ideen ist nötig, damit das Hannover der Zukunft gerechter wird.

Ich möchte mich herzlich für die Informationen, die Unterstützung und die Zeit für die Interviews bei Marius, Volker, Reinhold Fahlbusch, Oliver Kuklinski, Claudia Schelp, Melanie Schlöndorf und Georg Rinke bedanken.

Alle zu sehenden Bilder wurden von Reinhold Fahlbusch geschossen.

Von |2021-06-09T15:10:43+01:0009.06.2021|

25 Jahre Jubiläumsveranstaltung: „Zukunft Stadt“ – Leben in einem gerechten Hannover

Veranstaltet vom Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e. V. (bbs) und der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft fand am 19.04.2021 in den Abendstunden eine Online-Veranstaltung zum Thema „Zukunft Stadt“ statt. Moderiert durch Dr. Barbara Warner fanden sich etwa 60 Teilnehmer*innen für einen Austausch über städtische Gerechtigkeit und die Aussichten für Hannover zusammen.

Hannovers Bürgermeister Thomas Hermann bestärkte in den einleitenden Worten die Wichtigkeit von Gerechtigkeit und Chancengleichheit für die Stadt Hannover. Er wies auf den diesjährigen Start des hannoverschen Innenstadtdialogs hin und gratulierte im Namen der Stadt Hannover dem bbs zum 25-jährigen Jubiläum.

Geladene Gäste für eine wissenschaftliche Perspektive auf das Thema waren Prof. Dr. Tanja Mölders und Prof. Tim Rieniets von der Leibniz Universität Hannover. Prof. Rieniets eröffnete anfangs allen Teilnehmer*innen eine neue Sichtweise auf die „gerechte Stadt“. So stellte er die These auf, dass Städte zwar viele Ungerechtigkeiten vorweisen können, aber die größte Auswahl an Ressourcen aufweisen und damit aktiv zur individuellen Selbstverwirklichung beitragen. Zu diesen Ressourcen gehören z. B.: Wohnformen, Kultur, Soziales und Beteiligungsmöglichkeiten. Rieniets stellt die Stadt als solche damit über andere Siedlungsformen, da sie durch die Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Ressourcen „produktiver“ ist.Eine spannende Brücke zwischen Raum- und Planungswissenschaften zu Geschlechterforschung wurde durch Prof. Dr. Tanja Mölders geschlagen. Sie betonte den Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit. Man müsse dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen bei unterschiedlichen Akteur*innen beachten. Dies habe vor allem die Frauen- und Geschlechterforschung zeigen können. Daher sei eine „ausgleichende Gerechtigkeitsplanung“ besonders wichtig. Außerdem sollten vor allem marginalisierte Bevölkerungsgruppen im Planungsprozess gehört und beachtet werden und ihre Raumnutzungsansprüche gefördert werden.

Neben der wissenschaftlichen Perspektive waren auch jene eingeladen, die bereits aktiv an einer gerechten Stadt in Hannover arbeiten. Initiativen und Vereine sind substantieller Teil der Zukunftsdiskurse unserer Stadt.

So stellte Corinna Weiler den Andersraum e.V. vor. Er führt Empowermentarbeit im Bereich der sexuellen Orientierung und Identität durch und setzt sich gegen Diskriminierung ein.

Dr. Moritz Engbers stellte eine integrierte Raum-, Verkehrs- und Sozialplanung vor. Bei „Social2Mobility“ soll es durch diese mehr soziale Teilhabe geben. Dies geschieht durch Workshops, Vernetzungsarbeit aber auc durch qualitative Befragungen von Familien und Haushalten. Ein gelungenes Beispiel für Beteiligungskultur!

Nicht nur alteingesessene Hannoveraner*innen sollen die Möglichkeit haben, sich aktiv am Stadtleben zu beteiligen sondern auch frisch zugegzogene Nachbar*innen. Dafür gibt es „ZWEIeinander“, ein Integrationsprojekt des Freiwilligenzentrums Hannover. Melanie Osthaus erklärte das Prinzip des Projektes: Viele neu Eingewanderte oder Geflüchtete besuchen zwar vormittags Sprachkurse, haben aber nachmittags kaum die Möglichkeit zum Austausch auf Deutsch und damit zur Anwendung des neu Erlernten. Durch Tandems mit Ehrenamtlichen entwickeln sich Gespräche und aus diesen Sprachfreundschaften.

Der Wissenschaftsladen Hannover und das Forschungszentrum TRUST der Leibniz Universität Hannover haben in einer Kooperation das Projekt „Zukunftsdiskurse Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ ins Leben gerufen, vorgestellt von Dominika Vogs. Dabei ist klar geworden: Es ist wichtig, Wissenschaft und Praxis zu verknüpfen. So soll zum Beispiel wissenschaftliche Expertise für Initiativen nutzbar gemacht werden. Das einjährige Projekt hat sich dies als Ziel gesetzt und hat dafür unter anderem Workshops angesetzt, in welchen die Zivilgesellschaft und die Wissenschaft ins Gespräch kamen. Neben den Workshops gab es Stadtteilinterviews, welche später Teil einer Social-Media-Kampagne waren.

Insgesamt haben die Vorstellungen der Initiativen gezeigt, dass die „gerechte Stadt“ nicht nur durch Politik und Verwaltung entsteht, sondern vor allem durch sich ins Stadtleben einbringende Vereine und Projekte. Diese werden durch die Stadt Hannover gefördert und sind damit wichtiges Bindeglied zwischen Verwaltungsebene und Bevölkerung.

Nachfolgend erhalten Sie die Möglichkeit, sich die einleitenden Worte von Thomas Hermann, sowie die wissenschaftlichen Inputs von Prof. Dr. Tanja Mölders und Prof. Dr. Tim Rieniets in Gesamtlänge anzuschauen.

 

 

 

Anlässlich des 25. Jubiläums hat das bbs eine Prämie von 250€ durch die Stadt erhalten! Danke an Thomas Hermann, der dem bbs für die Übergabe einen Besuch abstattete. Wir bedanken uns recht herzlich bei der Stadt Hannover für die unterstützende Zusammenarbeit in den letzten Jahren und freuen uns auf die zukünftigen Veranstaltungen.

           

 

Gerne wollen wir auch von Ihnen wissen, was Ihre Vorstellungen von einer gerechten Stadt sind! Wie stellen Sie sich ein gerechtes Hannover vor, in welchem Sie gerne leben?

Wir freuen uns über Ihren Beitrag für ein zukunftsfähiges Stadtleben in unserer Umfrage.

 

 

Von |2021-07-28T11:21:33+01:0031.05.2021|

ZUKUNFTinnenSTADT

Was macht eigentlich die City aus? Das Ladensterben gibt es schon lange, Corona brachte Lockdowns, Belit Onay versprach Autofreiheit, die Verwaltung beginnt einen groß angelegten Innenstadtdialog. Alles dreht sich um die Innenstadt.

Auch das Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e. V. (bbs) stellt 2021 und 2022 die kooperative Entwicklung der Innenstadt in den Fokus seiner Arbeit. Über das Jahr hinweg werden in digitalen und analogen Veranstaltungen, mobil in den Stadtteilen und an einem zentralen Veranstaltungsort zahlreiche Facetten der Innenstadt Hannovers beleuchtet.

Ziel ist es, eine Vision für die Innenstadt Hannovers zu kreieren und damit einen gehaltvollen Beitrag zur Stadtentwicklung zu leisten. Auf dem Weg dahin inspiriert die Reihe Bürger*innen sich mit der Innenstadt auseinanderzusetzen und pflanzt Ideen, wie sie attraktiver, lebendiger und vor allem gerechter werden kann. In den zwei Jahren thematisiert das Programm viele Gesichtspunkte, wobei das Schwerpunktthema „Gerechte Stadt“ des bbs immer mitschwingt.

Um möglichst viele Vision einzufangen, passiert „ZUKUNFTinnenSTADT“ auf mehreren Bühnen: analog, digital und mobil.

Jeden ersten Donnerstag im Monat laden wir Expert*innen ein, mit uns über bestimmten Innenstadt-Themen zu sprechen. Gemeinsam mit unseren Gästen aus der Stadtgesellschaft und Fachleuten – nicht nur aus Hannover – diskutieren wir über die gerechte Zukunft der Innenstadt und lassen uns von guten Beispielen und mutigen Initiativen inspirieren. Profis ermöglichen eine Draufsicht und zeigen Beispiele aus anderen Städten und innovative Perspektiven auf. Aus welchen Visionen wurde bereits Realität? Ergänzend kommen lokale Akteur*innen, Projekte und Initiativen zu Wort, die ihre Eindrücke aus Hannover schildern und Ideen vorstellen. In den monatlichen Veranstaltungen wollen wir auf diese Weise wichtige innerstädtische Teilthemen diskutieren. Zum Beispiel Innenstadt als Kulturraum, Öffentliche Räume, Grün und Natur, Mobilität im Zentrum, Rückkehr des Wohnens, Jugend in der Innenstadt u.v.m. Aus jeder Veranstaltung nehmen wir Thesen mit, die am Ende ein Gesamtbild erzeugen. Wir freuen uns sehr, bei unserer Donnerstags-Veranstaltung mit der Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover zu kooperieren. Sobald es die Pandemie zulässt, werden wir uns dort im Saal treffen.

Die Auftaktveranstaltung “Zukunft der Innenstadt Hannovers” findet am 3.6.2021 im digitalen Raum statt. Geladen sind unter anderem  Dr. Beate Hollbach-Grömig (DifU Berlin), Prof. Dr. Tim Rieniets (LUH) und Hannovers Baudezernent Thomas Vielhaber.

Die Diskussion soll nicht allein auf zentralen Veranstaltungen stattfinden. Auch die Stadtteile bleiben zentral. Ein Aspekt von ZUKUNFTinnenSTADT heißt darum „Die City kommt zu dir“. Gemeinsam mit Politik zum Anfassen e. V. sind wir in Hannovers Stadtteilen unterwegs und beteiligen Passant*innen aktiv am Gespräch über die Innenstadt. Wir sammeln Eindrücke und Ideen, sprechen über Wünsche und Erkenntnisse und nehmen alles mit in die Donnerstags-Reihe.

Die Diskussion rund um ZUKUNFTinnenSTADT darf nicht nur analog stattfinden. PLACEm, eine App von Politik zum Anfassen e. V, ermöglicht Beteiligung rund um die Uhr. Jede*r kann sich äußern. Wir freuen uns auf Anregungen, Skizzen, Kritik und Wünsche für Hannovers Innenstadt. Die App wird mit aktuellen Terminen und Ergebnissen vergangener Veranstaltungen versorgt. Wer immer up to date sein möchte, tritt am besten schon mal unserem Place „ZUKUNFTinnenSTADT“ bei. Dafür muss die App runtergeladen werden. Unter “Places” könnt ihr über das Plus einem Place beitreten, indem ihr den QR-Code scannt.

Seid herzlich eingeladen, euch den 3.6. und 8.7 im Terminkalender zu markieren. Lasst uns gemeinsam Hannovers Potenziale entdecken und überlegen, wie die Innenstadt attraktiver, lebendiger und vor allem gerechter werden kann.

Von |2021-05-17T12:13:33+01:0022.04.2021|

Ideen bei der Stadt einreichen – und Antwort erhalten

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

viele von uns treibt die Frage um, wie wir als Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Hannover unsere Anliegen und Anregungen gezielt in laufende verwaltungs- bzw. politische Prozesse einbringen können.

Bei dieser Frage kann man auch die rechtlichen Grundlagen wie die Kommunalordnung des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) anschauen. Dort gibt es den Paragrafen §34 NKomVG.

In diesem steht, dass Einwohnerinnen und Einwohner der Kommune unmittelbare Anregungen entgegenbringen dürfen. Diese werden dann bearbeitet, den Fraktionen zugeleitet und wir als Anregungsgeberin bzw. -geber bekommen gesichert eine Antwort. Allerdings geschieht das in der Regel nur dann, wenn wir im Anschreiben den §34 NKomVG explizit angeben.

Um das für uns alle einfacher zu machen, haben wir einen Musterbrief eingestellt. Sie können ihn gerne herunterladen.

Über Rückmeldungen zu Ihren Erfahrungen würde ich mich sehr freuen.

Ihr Manfred Müller

P.S. hier der §34 NKomVG:

Anregungen, Beschwerden

1 Jede Person hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich

mit Anregungen und Beschwerden in Angelegenheiten der Kommune an die Vertretung zu wenden.          

2 Die Zuständigkeiten des Hauptausschusses, der Ausschüsse der Vertretung, Stadtbezirksräte und Ortsräte und der Hauptverwaltungsbeamtin oder des Hauptverwaltungsbeamten werden hierdurch nicht berührt.

3 Die Vertretung kann dem Hauptausschuss die Prüfung von Anregungen und die Erledigung von Beschwerden übertragen.

4 Die Antragstellerin oder der Antragsteller ist darüber zu informieren, wie die Anregung oder die Beschwerde behandelt wurde.

5 Einzelheiten regelt die Hauptsatzung.      

Von |2021-04-16T15:52:08+01:0016.04.2021|

Jahresbericht 2020

2020: ein Jahr wie kein anderes. Corona hat auch unsere Jahresplanung ins Wanken gebracht, doch wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Wir hatten allen Grund zum feiern: Das bbs wurde 25 Jahre alt! Das Jahresprogramm lief unter dem Motto “Zukunft Stadt – Leben in einem gerechten Hannover”, wozu wir eine ganze Reihe interessante hannoveranischer Statements gesammelt haben. Wir konnten wieder viele Projekte über HannoverMachen unterstützen. Dank digitaler Veranstaltungen war es weiterhin möglich uns zu vernetzen und aktiv zu sein.

Ausführlich über unsere Aktivitäten in 2020 berichten wir in unserem Jahresbericht, den wir zum Download bereitstellen.

Von |2021-03-29T10:35:27+01:0029.03.2021|
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